Rüstige E-Bike-Fahrer als Problem

Sandro Zulian, 14. März 2017, 17:24 Uhr
Immer öfter gibt es Verkehrsunfälle mit E-Bikes.
Immer öfter gibt es Verkehrsunfälle mit E-Bikes.
© KEYSTONE/Jean-Christophe Bott
Mit total rund 2700 Unfällen auf den Strassen des Kantons St.Gallen bewegt sich die Verkehrsunfallstatistik der Kantonspolizei auf dem Niveau der Vorjahre. Auffällig sind jedoch die zahlreichen Unfälle mit E-Bikes, auf dem Schulweg und auf Baustellen.

Die alljährliche Verkehrsunfallstatistik, die von der Kantonspolizei St.Gallen herausgegeben wird, zeigt insgesamt ein erfreuliches Bild. Insgesamt hat es im Kanton St.Gallen im Jahr 2016 2712 Mal «getätscht». Gegenüber dem Vorjahr ist das ein leichter Rückgang. Geht man knapp zehn Jahre zurück, so hat die Anzahl Unfälle um über tausend abgenommen. Gemessen an den steigenden Fahrzeugzahlen in der Schweiz, kann ebenfalls von einem Rückgang gesprochen werden.

Null Todesopfer ist ein Traumziel

14 Menschen haben bei Unfällen im letzten Jahr ihr Leben verloren. Dieser Stand deckt sich knapp mit den 13 Personen, die ein Jahr zuvor sterben mussten. Zum Vergleich: Im Jahr 2008 starben 23 Personen bei Verkehrsunfällen. «Gar keine Verkehrstote mehr rapportieren zu müssen, ist das Ziel, welches wir uns setzen müssen», sagt Christian Aldrey, Leiter der Verkehrspolizei. «Jedes Unfallopfer ist eines zu viel.»

E-Bike-Unfälle haben sich verdoppelt

Die Unfälle mit E-Bikes sind im Vergleich zum Vorjahr stark angestiegen. 2015 zählte die Kantonspolizei noch 23 Unfälle mit den elektrisch verstärkten Velos. Im letzten Jahr waren es bereits 46. Brisant ist hier die Auswertung der E-Bike-Unfälle nach dem Alter der Lenker. Vor allem die ältere Generation ist beim Fahren mit E-Bikes gefährdet. E-Bike-Fahrer mit Alter 45 und höher gelten als Hauptverursacher von Unfällen. Das heisse jedoch nicht, dass Pensionäre grundsätzlich nicht in der Lage seien, E-Bikes zu fahren, sagt Aldrey: «Es gibt verschiedene Kursangebote, in denen Senioren den richtigen Umgang mit E-Bikes lernen. Diese Kurse sind gut besucht.» Doch es sei wie mit dem Auto-, Ski-, oder Velofahren: «Wer lange nicht mehr Velo gefahren ist und dann plötzlich auf ein E-Bike sitzt, ist sich nicht mehr daran gewohnt.» Hinzu komme laut Aldrey, dass E-Bikes über eine erhebliche Beschleunigung verfügen. Hauptursache bei den Unfällen mit elektrischen Velos ist aber - deckungsleich mit allen anderen Unfällen - Unaufmerksamkeit und Alkohol.

Baustellen stechen erstmals aus Statistik hervor

Erstmals sind auch die Verkehrsunfälle in und bei Baustellen in der Statistik erhoben worden. Mit bemerkenswertem Resultat: «Da hat es uns ordentlich einen vor den Latz geknallt», sagt Aldrey unverblümt. Verglichen mit den im Nachhinhein erhobenen Zahlen der letzten Jahre, haben die Unfälle in Baustellenbereichen stark zugenommen. Auch hier zählt die Polizei Unaufmerksamkeit, Alkohol, Übermüdung und Fehlverhalten der Fahrzeuglenker zu den Ursachen. Auslöser für den starken Anstieg sind drei «Hot-Spots»: Die Baustellen in Wil an der Georg-Renner-Strasse, in Thal-Buriet bei der Absenkung der Kantonsstrasse sowie in St.Margrethen beim Neubau der Zollbrücke haben die Zahlen in die Höhe getrieben. Die genaue Berechnung, an welchen Baustellen es immer wieder knallt, wurde heuer das erste Mal durchgeführt. «Uns war schon immer klar, dass Baustellen eine Risikozone darstellen. Wir haben unsere Statistik nur nie durch die 'Baustellen-Brille' betrachtet», sagt Aldrey.

«An Schulweg-Unfällen sind wir alle mitschuldig»

Wieder einen starken Anstieg muss die Polizei bei den Unfällen mit Schulkindern auf ihrem Weg in die Bildungsstätte verzeichnen. Waren es 2015 noch 29 Zwischenfälle, sind es ein Jahr später 44. Betroffen seien vor allem Kinder im Alter zwischen 13 und 15 Jahren. Passiert sind die Unfälle vorwiegend morgens und mittags. Aldrey will nicht mit dem Finger zeigen: «Alle, die am täglichen Verkehr teilnehmen tragen hier eine Mitschuld. Wir müssen unbedingt aufmerksamer sein.» Man müsse speziell den schwächsten Verkehrsteilnehmern Sorge tragen. Hauptverantwortung tragen hier aber die Eltern: «Sie müssen zu Hause dafür sorgen, dass sich das Kind den Gefahren auf den Strassen bewusst ist.» Auch hier gilt durchwegs die Unaufmerksamkeit und die Ablenkung als Grund Nummer eins für einen Unfall.

(saz)

 

Sandro Zulian
veröffentlicht: 14. März 2017 14:51
aktualisiert: 14. März 2017 17:24