Brülisau

Sammeln, trocknen und mahlen: So wird aus Alpakamist Dünger

Svenja Graf, 18. November 2022, 17:53 Uhr
Tief im Appenzellerland produziert eine junge Familie seit kurzem einen neuen Bio-Dünger. Die Geheimzutat dazu liegt gratis auf der Wiese: Mist von sechs herzigen Alpakas. Wir haben nachgefragt, wie das Ganze funktioniert.

Quelle: TVO/FM1Today/Svenja Graf

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Sechs neugierige Alpakas kommen auf der Wiese dahergaloppiert, als Estefano Fischer, Emilia Walter und ihr Sohn Adrian den Futtereimer schütteln. Mit grossen Augen schauen uns die flauschigen Tiere an und freuen sich über die Getreidekörner. Und was Estefano Fischer noch mehr freut, ist das, was nach dem Essen hinten wieder rauskommt: Daraus stellt er nämlich «Alpakack» her.

Die junge Familie hat insgesamt sechs Alpakas.
© FM1Today/Svenja Graf

Aus Alpakamist wird Dünger

Die junge Familie lebt weit oben in Brülisau im Kanton Appenzell Innerrhoden. Seit rund einem Jahr halten sie Alpakas und kamen auf die Idee, neben der Wolle auch den Mist zu nutzen. «Ich fand es schade, dass der Kot einfach auf der Wiese liegenbleibt», sagt Estefano Fischer. Er hat daraufhin die Bewilligung für den Dünger beim Bundesamt für Landwirtschaft eingeholt und verkauft den Mist nun seit zwei Monaten.

Estefano Fischer, Emilia Walter und ihr Sohn Adrian mit den Alpakas.
© FM1Today/Svenja Graf

Die Bezeichnung «Alpakack» kommt natürlich nicht von ungefähr. «Es ist naheliegend. Die beiden Worte ‹Alpaka› und ‹Kacke› werden darin vereint. Ich nenne die Dinge gerne beim Namen, deshalb fand ich die Bezeichnung perfekt», so Fischer. In Deutschland sei Alpakadünger schon wesentlich verbreiteter als in der Schweiz, erklärt der gebürtige Freiburger. Von dort hat er sich auch die Inspiration geholt.

In dieser Schatztruhe ist der Alpakadünger zu finden.
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Dünger aus der Schatztruhe funktioniert

In einer selbstgemachten Schatztruhe, direkt neben dem Haus, verkauft Fischer den überall einsetzbaren Bio-Dünger. Zehn Franken kostet ein Pack mit 250 Gramm Inhalt. «Das ist vielleicht auf den ersten Blick viel. Aber es steckt sehr viel Arbeit dahinter und der Dünger ist sehr ergiebig», sagt Fischer.

Und was noch wichtiger ist: Er funktioniert. In einem eigenen Versuch hat die junge Familie Salat mit und ohne Dünger eingepflanzt. Derjenige mit Dünger ist wesentlich besser gewachsen. Dies unter anderem, weil im Dünger Stickstoff, Phosphor und Kalium enthalten seien. Alpakamist sei ausserdem weniger aggressiv als Pferde- oder Hühnermist.

Der Salat wurde mit und ohne Dünger gepflanzt.
© zVg

Vom Sammeln bis zum Abfüllen

Der grobe Prozess bis zum fertigen Produkt ist schnell erklärt: Einsammeln, trocknen, mahlen und abfüllen. Wenn man genauer hinschaut, steckt jedoch sehr viel Arbeit dahinter. «Pro Packung rechne ich mit einer halben Stunde Aufwand», so Fischer. Im Sommer geht er jeden zweiten Tag auf die Suche nach dem Mist. Vor allem das Häckseln und Mahlen der getrockneten Kot-Bällchen, die wie Oliven aussehen, sei sehr zeitaufwändig. Und beim Abfüllen muss Fischer dringend eine Maske tragen, da der Dünger sehr staubt.

Bald auch Alpaka-Touren

Noch steckt der Bio-Dünger aus Brülisau in den Kinderschuhen. «Mein Traum ist es, irgendwann davon leben zu können», sagt der gelernte Physiotherapeut. In Zukunft möchten Fischer und seine Frau noch mehr Alpakas. Ein weiteres Ziel ist es, die Tiere zu trainieren, um Alpaka-Touren anzubieten. Die Freude an den Tieren merkt man der jungen Familie deutlich an.

Estefano Fischer füttert seine Alpakas.
© FM1Today/Svenja Graf

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. November 2022 06:18
aktualisiert: 19. November 2022 06:18