Berit Klinik Wattwil

«Schikane wird Gesetz» – Toggenburger Ärztestreit spitzt sich zu

04.04.2024, 09:30 Uhr
· Online seit 04.04.2024, 07:55 Uhr
Dicke Luft in der Toggenburger Gesundheitsbranche: Der regionale Ärzteverein fühlt sich vom kantonalen Gesundheitschef Bruno Damann nicht ernst genommen. Streitpunkt ist die Beschränkung der Behandlungsdauer von Notfallpatientinnen und -patienten in der Berit Klinik Wattwil. Der Regierungsrat kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen.
Anzeige

Seit längerem stellt sich der Toggenburger Ärzteverein (TAEV) gegen die Pläne des Kantons bezüglich der Aufenhaltsdauer in der Berit Klinik in Wattwil. Auch die Klinik selbst zeigt sich alles andere als erfreut darüber.

Der St.Galler Regierungsrat setze damit die funktionierende Gesundheitsversorgung im Toggenburg aufs Spiel, ist der Ärzteverein überzeugt. Er spricht von «Schikane, die nun zum Gesetz wird» und fordert eine Notfallversorgung in Wattwil ohne Einschränkung der Behandlungsdauer.

Ärzteverein schlägt Alarm

Der TAEV suchte mit Gesundheitschef und Regierungsrat Bruno Damann das Gespräch. Dass das Treffen nicht wie erhofft lief, legt eine Medienmitteilung des Vereins nahe. In dieser erhebt er Vorwürfe gegen den St.Galler Politiker: «Gesundheitschef Damann brachte gegenüber der Delegation des TAEV auf eine etwas herablassende Art zum Ausdruck, dass die Bedürfnisse der niedergelassenen Ärzteschaft, der Kantonsräte und Gemeindepräsidenten und mithin der Toggenburger Bevölkerung für ihn keine Relevanz haben.»

Auch die Berit Klinik Wattwil zeigt sich enttäuscht. Die Regierung habe die Bedürfnisse des Toggenburgs nicht berücksichtigt. Zudem würden Patientinnen und Patienten mit dieser neuen Regel ausserordentlich belastet.

Damann hingegen kann den Vorwurf auf Anfrage nicht nachvollziehen. «Es ist so, dass wir immer versuchen, die Bedürfnisse aller Regionen zu berücksichtigen. Dies kann aber nur im Rahmen der Vorgaben der St.Galler Bevölkerung, des Kantonsrates und der Regierung geschehen», sagt er.

Notfallversorgung in Gefahr

Eine weitere Sorge des TAEV: «Der bestehende Hausarztmangel in der Region würde sich durch die zunehmende Unattraktivität verschärfen», wie Tanja Merten, Vorstandsmitglied des TAEV im Interview mit TVO sagt. Ohne die Berit Klinik könnte die Notfallversorgung durch die Hausärztinnen und Hausärzte in der Region nicht mehr sichergestellt werden.

Für Damann sind diese Sorgen unbegründet. «Nächste Spitäler sind nicht weit weg. Die Rettung ist heute sehr gut ausgebildet. Wir haben an drei Standorten im Toggenburg Rettungsstationen, die sofort zum Einsatz kommen», sagte der Regierungsrat in einem Interview mit TVO im Dezember 2023.

Berit Klinik bleibt sowieso

Das Parlament soll die Zwei-Tage-Limite bei den Gesundheits- und Notfallzentren (GNZ) streichen, so die Forderung des Ärztevereins, hinter welcher auch die Berit Klinik steht. «Ich wünsche mir, dass der Mensch im Gesundheitswesen wieder seinen Stellenwert findet und nicht nur die Zahlen wichtig sind», sagt Merten.

Trotz neuer Regelung ab April 2024 hat die Berit Klinik nicht vor, sich aus dem Toggenburg zurückzuziehen. Auf Anfrage schreibt sie: «Unser CEO Peder Koch hat wiederholt festgehalten, dass die Berit Klinik die Toggenburger unterstützen wird und dies eine Herzensangelegenheit ist.» Sie wolle weiterhin ihren Beitrag zu einer guten Gesundheitsversorgung im Toggenburg leisten und möchte das Gesundheits- und Notfallzentrum langfristig betreiben und weiterentwickeln.

Scan den QR-Code

Du willst keine News mehr verpassen? Hol dir die Today-App.

veröffentlicht: 4. April 2024 07:55
aktualisiert: 4. April 2024 09:30
Quelle: FM1Today

Anzeige
Anzeige