Liechtenstein

Schlägereien und Radau in Schaan – Anwohner sind verängstigt

Dario Brazerol, 22. September 2020, 18:35 Uhr
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Quelle: tvo

Auf dem Postplatz in Schaan kam es in diesem Jahr vermehrt zu Polizeieinsätzen wegen Schlägereien unter Jugendlichen. Mittlerweile meiden Einheimische gar den Busbahnhof. Mit einer Streetworkgruppe und einer eigens dafür ins Leben gerufenen Taskforce wollen Polizei und Gemeinde dem entgegenwirken.

Erst am Freitag hat es in Schaan wieder «geklöpft». Zunächst konnte die Polizei eine Auseinandersetzung mit 30 Personen verhindern. Kurze Zeit später wurden aber trotzdem zwei Männer durch Faustschläge schwer an den Augen verletzt.

Bevölkerung bekommt Unruhen zu spüren

Seit Mai hat es auf dem Postplatz in Schaan bereits fünf Vorfälle gegeben, bei denen es zu Polizeieinsätzen kam. Dabei handelte sich um Schlägereien unter Jugendlichen, teils waren es grössere Gruppen. Der Gemeinde Schaan ist die Postplatz-Problematik bekannt, sagt der Gemeindevorsteher Daniel Hilti: «Es gibt verschiedene Gruppen von gewaltbereiten Jugendlichen, die in Schaan Radau machen.»

Woran das liege, kann der Gemeindevorsteher nicht sagen. Klar ist aber, dass die Bevölkerung die Unruhen spürt: «Weil sich beim Postplatz auch der Busbahnhof befindet, ist es so, dass eine gewissen Beunruhigung besteht. Es gibt auch Leute, die den Busbahnhof meiden und an einer anderen Haltestelle einsteigen.»

«Teils Jugendliche aus schwierigen Familienverhältnissen»

Die Landespolizei Liechtenstein geht davon aus, dass der Busbahnhof als Verkehrsknotenpunkt und mit seinem «kleinstädtischen Charakter» sehr attraktiv sei, um sich vor dem Ausgehen zu treffen. «Man trifft sich dort, wo etwas los ist. Kommen dann noch Alkohol- oder Suchtmittel dazu, sind Aggression und Gewalt leider oft die Konsequenz», schreibt die Polizei auf Anfrage von FM1Today.

Zu den Unruhestiftern gehören vor allem Jugendliche und junge Erwachsene aus allen sozialen Schichten. Aber auch Randständige seien dort anzutreffen, heisst es von der Polizei. «Einige kommen aus schwierigen familiären Verhältnissen, deren Verhalten durch polizeiliche Intervention allein wohl nicht nachhaltig verändert wird. Hier sind auch andere Akteure aus dem Sozialbereich und der offenen Jugendarbeit gefordert.»

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Quelle: TVO

«Bis vor einem halben Jahr noch heile Welt»

Auch die hiesigen Busbetriebe, die Liemobil, sind von den gewaltbereiten Jugendlichen betroffen. «Wir haben festgestellt, dass sich die Sicherheit im und ausserhalb des Busses zum negativen verändert hat», sagt Jürgen Frick, der Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Liemobil. «Bis vor einem halben Jahr war bei uns noch heile Welt. Solche Probleme haben wir nicht gekannt. Als im Frühling Veranstaltungen abgesagt wurden, hat sich die Situation zugespitzt. Gewisse Personengruppen wissen nicht, wie sie ihre Zeit verbringen sollen.»

Die Liemobil hat deshalb in den letzten Wochen die Billetkontrollen in den Bussen deutlich ausgebaut, damit mehr Personal in den Bussen präsent ist.

Polizei und Gemeinde ergreifen Massnahmen

Die Landespolizei ist nun verstärkt in Schaan präsent und hat bereits in den Sommerferien die Taskforce «Jugendliche» gebildet, um Straftaten konsequent zu verfolgen. «Damit soll eine präventive Wirkung erzielt werden, indem beispielsweise kritische Situationen frühzeitig im Dialog deeskaliert werden. Gelingt das nicht, werden Wegweisungen ausgesprochen oder eben auch Anzeigen an die Staatsanwaltschaft erstattet», schreibt die Landespolizei.

Auch die Gemeinde Schaan hat mittlerweile verschiedene Massnahmen ergriffen, um der Problematik entgegenzuwirken, sagt Daniel Hilti: «Wir haben an den Wochenenden eine Nachtwache installiert, zudem ist die Offene Jugendarbeit vermehrt präsent. Neben diesen Massnahmen sind wir seit dem Frühjahr mit dem Aufbau einer Streetworkgruppe beschäftigt. Diese Massnahmen sind wichtig und tragen letztlich auch dazu bei, dass sich die Situation wieder entspannen wird.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 22. September 2020 17:39
aktualisiert: 22. September 2020 18:35