Einkaufstourismus

Schwacher Euro: Strömen die Schweizer Shopper nun ins Ausland?

17. August 2022, 16:59 Uhr
Der Eurokurs kennt momentan nur eine Richtung: nach unten. Der starke Franken könnte nun viele Schweizerinnen und Schweizer dazu verlocken, im Ausland einzukaufen. Doch ist das tatsächlich so? Wir haben bei grenznahen Einkaufszentren nachgefragt.
In der Schweiz fürchten die Detailhändler den schwachen Euro nicht.
© Keystone

Einen Euro kriegt man momentan für 96 Rappen. So günstig gab es ihn noch nie. Grund dafür ist auch, dass die Schweizer Nationalbank den Franken nicht mehr künstlich abwertet. Gar das Gegenteil ist der Fall. Durch die Aufwertung des Frankens könne sogar die Inflation bekämpft werden, schreibt das «St.Galler Tagblatt».

Keine Angst vor schwachem Euro

Müssen nun die grenznahen Schweizer Geschäfte um ihre Kundschaft fürchten? FM1Today hat beim Rheinpark in St. Margrethen nachgefragt. Das Einkaufszentrum befindet sich fast auf der Grenze zu Österreich. Der Zentrumsleiter Michael Hengartner betrachtet die Situation entspannt: «Für uns ist die Situation nicht neu. Wir spüren die Währungsschwankungen aufgrund unserer speziellen Lage eigentlich immer.» Hengartner betont aber, dass nicht nur der Währungskurs auschlaggebend sei. «Das wäre zu kurz gedacht. Auch die Inflation spielt eine gewichtige Rolle», führt Hengartner aus.

Und eben von dieser Inflation würden die inländischen Händler momentan profitieren. Denn die Teuerung ist in den Euroländern einiges höher als in der Schweiz, so Hengartner. Das heisst, die Teuerung der Produkte ist in etwa gleich wie die Zunahme des Frankens. Hinzu kommen auch die zurzeit hohen Benzinkosten. «Da überlegen es sich viele zwei Mal, ob sie ins Ausland fahren – oder eben nicht.» Hengartner vermutet auch, dass das Einkaufserlebnis mittlerweile im Vordergrund steht: «Wenn man ein breites Angebot bietet, ist dies auch attraktiver für die Kunden.»

Ennet der Grenze sieht es anders aus

In St. Margrethen fürchtet man sich also nicht vor dem schwachen Euro und der abwandernden Kundschaft. Doch wie sieht es ennet der Grenze aus? Im Messepark im österreichischen Dornbirn spüre man einen Anstieg der Schweizer Kundschaft, wie Eva Voit, Marketingleiterin beim Messepark, gegenüber FM1Today sagt. Dies sei aber nicht nur auf den starken Franken zurückzuführen. Auch die Ferienzeit und das Fallen der Corona-Massnahmen seien wichtige Faktoren.

Voit geht davon aus, dass dieser Trend weiter anhält. Denn es gebe verschiedene Vorteile für die Schweizer Kunden, wie beispielsweise die Mehrwertsteuerrückerstattung oder das generell tiefere Preisniveau. Auch das Tanken sei günstiger als in der Schweiz. «Die Schweizer können diese Vorteile miteinander verbinden», so Voit. Sie findet aber auch, dass es sich hauptsächlich lohne, wenn man grenznah wohne.

Branche im allgemeinen nicht verunsichert

Auch das Marktforschungsinstitut GfK geht davon aus, dass wieder mehr Kunden im Ausland einkaufen werden, wie das «St.Galler Tagblatt» schreibt. Der Detailhandelsverband Swiss Retail Federation betrachtet die Lage aber entspannt, wie Geschäftsführerin Dagmar Jenni gegenüber der Zeitung erklärt. «Beim Food stellen wir grundsätzlich gar einen Rückgang beim Einkaufstourismus fest», so Jenni. Dies sei auf die höhere Inflation in den Nachbarländern zurückzuführen und die höheren Treibstoffpreise zurückzuführen.

(mma)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 18. August 2022 05:52
aktualisiert: 18. August 2022 05:52
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