Schwan treibt seine Jungen an die Strasse

Stephanie Martina, 23. Februar 2018, 11:18 Uhr
Einer der Schwäne, die sich seit einigen Tagen am Strassenrand beim Werdenbergersee aufhalten
Einer der Schwäne, die sich seit einigen Tagen am Strassenrand beim Werdenbergersee aufhalten
© Tagblatt/Thomas Schweizer
In den nächsten Tagen wird Wildhüter Silvan Eugster beim Werdenbergersee sieben Jungschwäne aus dem Vorjahr einfangen und am Rhein aussetzen. Sie gefährden die Verkehrssicherheit.

St.Galler Tagblatt/Thomas Schwizer

Die Autos auf der St.Gallerstrasse entlang des Werdenbergersee fahren langsam. Sie sehen schon von Weitem das weisse Federkleid der sieben Schwäne, die sich direkt am Strassenrand auf dem schmalen Grasstreifen zwischen der Strassen und dem Werdenbergersee aufhalten. Zeitweise betreten sie sogar die Strasse, und der Verkehr kommt kurzfristig zum Stehen.

In den rund neun Monaten seit ihrer Geburt im Frühling 2017 war der kleine See ihre Kinderstube. Doch seit einigen Tagen ist die Idylle vorbei. Der Schwanenvater lässt sie nicht mehr ins Wasser rein. Wenn sie sich diesem nähern, vertreibt er sie mit lautem Flügelschlag – und sogar mit Schnabelhieben, wenn sie nicht freiwillig das Weite suchen. In ihrer Not finden sie seither Zuflucht am Strassenrand. Es wirkt für Menschen wie eine Tragödie.

Ein völlig natürliches Verhalten

Doch Schwäne sind Wildtiere und das Verhalten des Schwanenvaters ist absolut natürlich, sagt Wildhüter Silvan Eugster. Demnächst wird das Weibchen Eier legen für die Jungschwan-Generation 2018. Weil das Revier Werdenbergersee nur Raum für ein Schwanenpaar bietet, muss der Nachwuchs aus dem Vorjahr diesen Lebensraum verlassen. Es kann geraume Zeit dauern, bis alle Jungschwäne such ein neues Quartier suchen.

© Tagblatt/Thomas Schwizer

Wildhüter müssen eingreifen

Die Situation am Werdenbergersee ist allerdings speziell. Weil er direkt an der Staatsstrasse liegt, gefährden die vertriebenen Jungschwäne die Verkehrssicherheit. Deshalb muss hier der Wildhüter in die Natur eingreifen, indem er die Jungtiere mit Netzen einfängt und im Rhein aussetzt. Das wird in den nächsten Tagen geschehen, kündigt Silvan Eugster auf Anfrage des W&O an.

Dieser Artikel erschien am 23. Februar 2018 im «St.Galler Tagblatt».

Stephanie Martina
veröffentlicht: 23. Februar 2018 11:11
aktualisiert: 23. Februar 2018 11:18