Deutsche fahren wieder

Schweizer Bodensee-Schifffahrt hofft auf Bundesrat

Christoph Thurnherr, 25. Mai 2020, 06:37 Uhr
Das Bodensee-Schiff St.Gallen liegt vor den SBB-Lagerhallen in Romanshorn vor Anker.
© Keystone (Archiv 2016)
Die deutschen und österreichischen Kursschiffe dürfen bereits wieder fahren. In der Schweiz ist dagegen noch gar nichts los. Die Schifffahrt hofft auf eine Lockerung vor dem 8. Juni – aber auch dann dürfte sie nur Fahrten im Inland anbieten.

Geduldig nimmt der Kapitän mit der weissen Mütze ein Ticket nach dem anderen entgegen, während er Gross und Klein an Bord des Kursschiffs begrüsst.

Kurze Zeit später befindet sich das Schiff bereits auf dem Bodensee. Das aufspritzende Wasser der Bugwelle glitzert in der Abendsonne, für die Kinder gibt es Glacé, während die Erwachsenen nostalgisch am Weisswein nippen.

Schifffahrten bringen immer eine gewisse Romantik mit sich. Und die macht einen grossen Teil des Reizes aus. Ein Reiz, den die deutschen und österreichischen Kursschiffe auf dem Bodensee seit Kurzem wieder bieten können. Im Gegensatz zu «unseren», die in den Häfen vor sich hin dümpeln.

«Wir hoffen auf Erlaubnis vor Pfingsten»

Ähnlich wie die Bergbahnen gehören Kursschiffe zu den noch geschlossenen touristischen Angeboten. Das sei nicht ganz einfach zu verstehen, sagt die Geschäftsführerin der Schweizerischen Bodenseeschifffahrt Andrea Ruf: «Auf dem Schiff hat man die bessere Kontrolle als zum Beispiel in den Wandergebieten. Wenn die Kapazität erreicht wäre, würden wir einfach niemanden mehr an Bord lassen.»

Andrea Ruf hofft, dass der Bundesrat nicht stur bei seinem ursprünglichen Plan bleibt. «Wenn die Corona-Fallzahlen so tief bleiben, müsste man doch sagen: Ok, jetzt machen wir der Bevölkerung ein Geschenk», sagt die Geschäftsführerin.

Gerade an solch schönen Tagen wie zu Beginn der Auffahrt schmerze der Gedanken an die vor Anker liegenden Schiffe besonders. Der Schaden werde in die Millionen gehen. Andrea Ruf hofft aus diesem Grund, dass die Schifffahrt noch vor dem geplanten Lockerungsschritt am 8. Juni freigegeben wird: «Wir hoffen auf eine Erlaubnis vor Pfingsten – dieses Wochenende würde uns natürlich sehr gut tun.»

Das Dreiländer-Problem

Der geplante Saisonstart am 8. Juni fiele auf einen Montag. Nicht gerade der beste Tag für einen fulminanten Start, auch wenn es die Bodenseeschiffahrt nach der monatelangen Flaute kaum erwarten kann, bis es wieder losgeht.

So gehe es auch vielen Stammgästen, die zum Beispiel bei einem Spaziergang in Romanshorn nach den Kursschiffen Ausschau halten. Aber mit der Fahrerlaubnis drängen sich bereits die nächsten Probleme auf. Die Grenzöffnung ist erst für den 15. Juni geplant, sofern alles gut geht. Die Kursschiffe dürften bis dahin nur Ziele im Inland anlaufen.

Attraktiver macht dies die Bodensee-Schiffahrt nicht, besticht sie doch sonst durch ihre Internationalität. «Wir liebäugeln mit der Strecke Rorschach-Rheineck», sagt Andrea Ruf. Auch hinter der Umsetzung der Themenschiffe steht ein grosses Fragezeichen. «Die Gastro-Schutzkonzepte auf dem Schiff anzuwenden, ist schwierig», sagt Ruf. Angebote wie das Tanzschiff dürften gar nicht umzusetzen sein.

Immerhin bringt die Ländereinschränkung an sich keinen Wettbewerbsnachteil gegenüber den Deutschen und Österreichern. Diese dürfen auch nur im Inland anlegen beziehungsweise Rundfahrten anbieten. Mit einem kleinen Unterschied: Sie dürfen es jetzt schon.

Der folgende Beitrag von TVO zeigt, wie die deutschen Schifffahrtsbetriebe auf dem Bodensee die Corona-Sicherheitsmassnahmen umsetzen:

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Quelle: tvo

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 25. Mai 2020 06:36
aktualisiert: 25. Mai 2020 06:37