Ostschweiz

So funktioniert der neue Prüfstand der Kantonspolizei St.Gallen

«Grosse Fische aus dem Verkehr ziehen»

An diesem Ort legt die Kapo St.Gallen Autotunern das Handwerk

· Online seit 10.07.2024, 05:35 Uhr
Seit etwas mehr als einem Monat hat die Kantonspolizei St.Gallen ein neues Mittel im Kampf gegen Autotuner. Mit einem Prüfstand kann sie unerlaubte technische Eingriffe nachweisen. Für die Autofahrerinnen und Autofahrer kann das gravierende Konsequenzen haben.

Quelle: TVO

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Die Ansage von Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei, zeigt, worauf sich Autotuner gefasst machen können: «Wir wollen die grossen Fische aus dem Verkehr ziehen.» Seit etwas über einem Monat ist ein neuer Prüfstand im Einsatz, mit dem Autotunern das Handwerk gelegt werden soll.

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Wie Schneider ausführt, gehe es der Polizei nicht darum, möglichst viele Autos zu überprüfen, nur damit der Prüfstand oft genutzt werde. Stattdessen sollen gezielte Kontrollen von Autos, bei denen eine Leistungssteigerung vermutet wird, zu mehr Sicherheit auf den Strassen führen.

«Wir beschleunigen, bis es nicht mehr geht»

Bei einer Testvorführung gibt die Polizei Einblick, wie ihr neustes Werkzeug funktioniert. Vor dem eigentlichen Leistungscheck wird das Fahrzeug erst einmal auf seine generelle Fahrtüchtigkeit geprüft. Mit einem Lift wird es angehoben und im wahrsten Sinne des Wortes durchleuchtet. Erst danach folgt der Test auf dem Prüfstand.

Hierbei wird das Auto auf eine Vorrichtung aus Rollen gefahren, und mit Spanngurten festgebunden, damit es auch seitlich nicht bewegt wird. Eine Windmaschine simuliert Fahrtwind und sorgt dafür, dass der Motor nicht überhitzt.

Dann geht's los. Ein Polizist beschleunigt auf rund 2000 Touren, um den Motor aufzuwärmen. Danach wird das Gaspedal aufs Maximum durchgedrückt. «Wir beschleunigen, bis es nicht mehr geht», sagt Schneider. Währenddessen werden verschiedene Leistungsdaten erhoben, beispielsweise PS, Geschwindigkeit, Umdrehungen.

Aus den Resultaten lesen die Experten der Kapo dann ab, wie viel Leistung das Fahrzeug auf die Strasse bringt. Übersteigen diese Daten die Angaben des Herstellers um über 20 Prozent, droht dem Besitzer Ungemach. Bei kleineren Abweichungen passiert hingegen nichts, denn solche sind gemäss Schneider normal. Selbst, dass getestete Auto der Kapo verfügt offenbar über etwas mehr Leistung als offiziell angegeben – obwohl daran bestimmt nicht herumgeschraubt wurde, wie Schneider versichert.

Der Führerschein ist weg

Stellt die Polizei aber ein Vergehen fest, wird's ernst: Der Führerschein ist dann sicher weg. «Der einzige Weg, wie ein Fahrzeug, bei dem Leistungssteigerungen festgestellt wurden, den Prüfstand verlässt, ist auf einem Anhänger.» Keinen Meter mehr dürfe man damit fahren.

Doch damit nicht genug: Der Besitzer wird zudem bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Schliesslich gefährde man die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden, so Schneider. Dies, weil aufgemotzte Autos zwar über mehr PS verfügen, andere Bestandteile wie beispielsweise die Bremsen nicht an die erhöhte Leistung angepasst werden – und schlimmstenfalls den Dienst versagen.

Konkrete Fälle, in denen die Polizei nach Unfällen festgestellt hat, dass an einem involvierten Auto wohl herumgeschraubt wurde, waren denn auch mit ein Grund für die Neuanschaffung der Prüfstation. «Wir wollen reagieren, bevor etwas passiert», sagt Schneider. Das sei jetzt möglich.

Test kostet mehrere hundert Franken

Eine Überprüfung auf dem Prüfstand ist nicht nur personalaufwändig, sondern nimmt je nach Anzahl und Art der installierten Komponenten über eine Stunde in Anspruch.

Das hat natürlich auch seinen Preis. Mehrere hundert Franken werden für das Prozedere fällig. Bei festgestellten Verstössen, müssen diese vom Sünder selbst berappt werden, sonst geht die Gebühr zulasten der Kapo – und damit der Steuerzahlenden.  Die Polizei will deshalb mit ihrem neuen Instrument zurückhaltend umgehen.

Aber wie kommt es überhaupt zu Überprüfungen von Autos? Gemäss Florian Schneider gibt es sowohl technische Verkehrskontrollen, bei denen speziell nach möglichen Leistungssteigerungen gefahndet wird, aber auch gewisse Streifenpolizisten seien geschult worden und wissen, wonach sie Ausschau halten müssen.

Autotuner, die zu illegalen Mitteln greifen, sind also gewarnt. Nicht zuletzt hat nur schon die schiere Möglichkeit, solche Kontrollen durchzuführen, eine abschreckende Wirkung. «Es ist ein Raunen durch die Community gegangen», sagt Schneider.

veröffentlicht: 10. Juli 2024 05:35
aktualisiert: 10. Juli 2024 05:35
Quelle: FM1Today

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