Lehrermangel

So kreativ kämpfen die Ostschweizer Schulen um Lehrkräfte

17. Juni 2022, 18:56 Uhr
Der Mangel an Lehrpersonen belastet die Schulgemeinden – auch in der Ostschweiz. Um genügend Lehrkräfte in den Klassenzimmern zu haben, greifen die Schulen zu neuen Mitteln.
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Quelle: tvo

Die Schulen in der Schweiz kämpfen gegen den Lehrkräftemangel. Auch die Ostschweizer Schulgemeinden greifen tief in die Trickkiste, um Lehrerinnen und Lehrer für sich zu gewinnen. So buhlt die Primarschule in Heiden mit einem Video von singenden Schülern um Lehrer. Der Text: «…mer sueched en Lehrer, wötsch du zu üs cho.»Auch ein «Kopfgeld» wurde schon ausgesetzt. Dank diesem konnte eine Stelle erfolgreich besetzt werden.

Gegenüber TVO erklärt Hans-Peter Hotz, Schulleiter in Heiden, warum man zu dieser Massnahme griff: «Wir hatten noch eine offene Stelle, die wir nicht besetzen konnten. Dadurch kamen wir auf die Idee mit der Prämie.» Diese habe gut funktioniert. Hotz betont aber auch, dass man dies nicht regelmässig machen wolle.

Politik hat verschlafen

Auch im Kanton St.Gallen suchen die Schulen händeringend nach Fachkräften. Einige Schulgemeinden hätten bereits unqualifiziertes Personal angestellt, um zumindest jemand vor die Klasse stellen zu können. Diese Massnahme musste gezwungenermassen ergriffen werden. Dies sei aber nur Symptombekämpfung.

Die Politik habe die Situation verschlafen, findet Patrick Keller, Präsident des St.Galler Lehrerinnen- und Lehrerverbandes. «Wir Lehrpersonen warnen bereits seit Jahren vor diesem Mangel», so Keller gegenüber TVO. Doch die Politik habe dies ignoriert – und nun sei es zu spät, um noch in diesem Sommer reagieren zu können.

Aufwand und Ertrag stimmen nicht

Das Problem liege laut Keller beim «Aufwand um Ertrag». So hätten Lehrerinnen und Lehrer mehr zu tun, der Lohn bleibe aber gleich. Aus diesem Grund würden bereits viele Lehrkräfte ihr Pensum auf 80 oder gar 60 Prozent reduzieren. Die Teilzeitpensen befeuern die Thematik zusätzlich.

Gemeinsam Lösung finden

Beim Kanton sieht man dies anders. Man habe in der Vergangenheit viel unternommen, um dem Mangel entgegenzuwirken. So hätte es derzeit so viele Lehrkräfte im Kanton wie noch nie zuvor. Doch diese im Klassenzimmer zu halten sei eine Herausforderung, erklärt Stefan Kölliker, Vorsteher des St.Galler Bildungsdepartements, gegenüber TVO. «Die Ausstiegsquote ist sehr hoch. Das ist ein Punkt, den wir ins Auge fassen müssen», so Kölliker.

Um den Mangel aufzufangen, werden auch pensionierte Lehrkräfte wieder ins Schulzimmer gelockt. Langfristig will der Kanton St.Gallen mit dem Verband in einer Arbeitsgruppe Lösungen finden. Bis dahin müssen die Schulen wohl oder übel kreativ werden bei der Suche.

Quelle: TVO
veröffentlicht: 17. Juni 2022 18:57
aktualisiert: 17. Juni 2022 18:57
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