Corona-Lockerung

«So viele strahlende Gesichter» – Endlich wieder Zoo, Schwimmbad und Kino

Stefanie Rohner, 8. Juni 2020, 10:16 Uhr
Die Tiere im Zoo beobachten, die Rutsche herunterflitzen oder in Ruhe einen Film anschauen: Mit den Lockerungen vom 6. Juni geht der Betrieb auch in Zoos, Bädern und Kinos wieder los. FM1Today war vor Ort, um die Reaktion der Leute zu sehen.

Eine kleine Schlange bildete sich bereits vor der Öffnung des Säntisparks um 8 Uhr, einen massiven Ansturm gab es aber nicht. «Wir haben es so erwartet. Wir haben viele Stammgäste, die immer schon früh hier sind», sagt Nathalie Brägger, Mediensprecherin der Migros Ostschweiz.

Man merkt den Badegästen aber an, dass sie so rasch wie möglich ins Bad wollen. Die Freude über die Öffnung ist auch beim Säntispark gross. «Wir freuen uns, wieder für die Gäste da sein zu können», sagt Brägger.

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Quelle: tvo

550 Personen sind erlaubt

Natürlich muss darauf geachtet werden, dass die Gäste Abstand halten. «Wir haben ein Schutzkonzept erarbeitet und die Massnahmen im Bad und im Sport- und Spielbereich umgesetzt», sagt Brägger.

Es sei gut möglich, diese umzusetzen und man vertraue in die Eigenverantwortung der Gäste. «Wir haben eine Personenbeschränkung, es dürfen sich 550 Personen hier aufhalten. Das ist etwa ein Drittel der normalen Kapazität.»

Nathalie Brägger, Mediensprecherin der Migros Ostschweiz

© FM1Today/Stefanie Rohner

Ob man so kostendeckend arbeiten könne, könne noch nicht abgeschätzt werden, da man nicht wisse, ob die Leute wiederkommen, sagt die Mediensprecherin. «Bei den Stammgästen wussten wir aufgrund vieler Mails, dass sie sicher kommen und sich sehr darauf freuen», sagt sie.

Markus Öll aus Seuzach ist mit seiner Familie angereist. Für ihn war klar, gleich am ersten Tag in den Säntispark zu fahren. «Wir geniessen, dass wir das wieder machen können und freuen uns riesig. Wir waren auch vor dem Lockdown regelmässig hier», sagt er.

Ansturm im Walter Zoo

Während die Säntispark-Besucher sich auf das Baden freuen, kommen immer mehr Besucherinnen und Besucher im Walter Zoo Gossau an. Als FM1Today um 10 Uhr eintrifft, ist der Parkplatz schon gut belegt.

«Als ich um 9 Uhr hier ankam, musste man bereits anstehen. Viele Familien waren schon da. Die Leute scheinen richtig darauf gewartet zu haben. Ich habe mir geschworen, wenn der Lockdown vorbei ist, als erstes in den Walter Zoo zu gehen und ihn zu unterstützen», sagt Silvia Stadler aus Wittenbach.

Die Leute würden darauf achten, Abstand zu halten – im Zoo sei das gut umsetzbar. Dieser Meinung ist auch Thomas Harder, Leiter Marketing und Verkauf des Walter Zoos. «Wir setzen zudem auf die Eigenverantwortung und werden beobachten, wie gut das funktioniert.» Einige Häuser sind noch geschlossen, in anderen achtet man darauf, dass sich die Leute aus dem Weg gehen können, indem man Wege nur in eine Richtung gehen kann.

Zootiere vermissten Besucher

Thomas Harder merkt man von Weitem an, wie sehr er sich über die Wiedereröffnung des Zoos gefreut hatte. «Es ist ein unglaubliches Gefühl, die Leute und die strahlenden Gesichter zu sehen», sagt er.

Harder sagt, auch den Tieren habe man angemerkt, dass die Besucher fehlten. «Erst dachten wir, dass ihnen das egal ist. Aber dann merkten wir bei vielen Tieren, dass sie viel mehr auf die Pfleger achteten als sonst. Sogar die Raubkatzen haben uns mehr Beachtung geschenkt», sagt Harder.

Ob man den Verlust wieder erwirtschaften kann, ist noch unklar. Aber: «Die Solidarität der Menschen war gross, so dass wir einen grossen Teil der Kosten decken können. Wichtig sind die kommenden Monate, um durch den Winter zu kommen», sagt Harder.

Thomas Harder, Leiter Marketing und Verkauf des Walter Zoos

© FM1Today/Stefanie Rohner

«Ich habe mich mega gefreut»

Die Zoogäste geniessen es sichtlich. Jasmine Rohner aus Diepoldsau sagt, sie habe wieder etwas Normalität gewollt und sei deshalb im Zoo. «Es tut gut, wieder unter Menschen zu sein und wir wollten den Kindern eine Freude machen.»

Wer sich besonders über die Öffnung des Zoos freut, ist Niklas Schmied aus Horn. «Ich habe mich mega darauf gefreut, alle Tiere wieder besuchen zu können. Das hat mir schon gefehlt. Auf die Schlangen, Löwen und Tiger habe ich mich am meisten gefreut.»

«Waren lange nicht zusammen draussen»

Andere Kinder freuten sich mehr auf einen Kinobesuch. Im Cinewil ist es zwar tagsüber noch ruhig, für den Abend hat man aber schon 60 Reservationen.

«Endlich können wir wieder ins Kino, gerade bei diesem Wetter. Wir freuen uns riesig darüber. Jetzt müssen wir noch einen Film aussuchen, den wir dann bald schauen werden», sagt Thomas Meier aus Busswil, der mit seiner Tochter da ist.

Gülay Acioglu aus Wattwil ist mit ihrem Sohn in den Film «Trolls» gegangen. «Es war eher eine spontane Entscheidung, wir waren so lange nicht zusammen draussen, da wir Familienzuwachs bekommen haben. Es ist eine schöne Abwechslung», sagt Acioglu.

Gülay Acioglu freut sich, etwas mit ihrem Sohn zu unternehmen. 

© FM1Today/Stefanie Rohner

Verlust kann nicht ausgeglichen werden

Die Geschäftsführerin des Kinos, Felicitas Zehnder, ist froh, wieder Kinogäste im Haus zu sehen. «Wir haben uns sehr gefreut und haben uns gut darauf vorbereitet. Der Saalplan wurde angepasst und wir haben die Pausen gestrichen, dass sich die Leute nicht vermischen», sagt Zehnder. Vielen Gästen sei es ohnehin lieber, den Film ohne Pause zu sehen. «Wir werden prüfen, ob das in Zukunft eine Möglichkeit sein könnte oder ob wir die Pause wieder einführen», sagt Zehnder.

Einen Ansturm vor Ort gab es nicht, allerdings habe das Telefon fast ununterbrochen geklingelt – entweder wegen Reservationen oder aber wegen offener Fragen der Gäste. «Das ist wirklich schön. Diejenigen, die schon hier waren, sagten, es sei schön, dass wir wieder offen haben. Für den ersten Tag läuft es gut», sagt Zehnder.

Zwar könne der Verlust nicht mehr ausgeglichen werden, aber im Herbst könne man mit dem James-Bond-Film sicher noch etwas aufholen.

Doch der finanzielle Aspekt trübt die Freude kaum. An allen Orten, die nun auch wieder offen haben können, spürt man die Erleichterung und die Freude über etwas mehr Normalität.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 6. Juni 2020 17:17
aktualisiert: 8. Juni 2020 10:16