So warm war es auf dem Säntis noch nie

Praktikant FM1Today, 26. Juni 2019, 21:29 Uhr
Auch auf dem Säntis-Gipfel werden kurze Hosen benötigt.
Auch auf dem Säntis-Gipfel werden kurze Hosen benötigt.
© Tagblatt/Benjamin Manser
Auf dem Säntis ist es auch nicht mehr so kühl. Die Wetterstation auf dem Gipfel hat am Mittwoch den höchsten Temperaturwert seit Messbeginn im Jahr 1864 gemessen. Auch in der Kantonshauptstadt St.Gallen könnte die Rekordmarke in diesen Tagen geknackt werden.

21,0 Grad: So warm war es noch nie auf dem Säntisgipfel. MeteoSchweiz mass am Mittwoch um 11.20 Uhr auf 2502 Metern über Meer einen neuen Temperaturhöchstwert. Der bisherige Rekord lag laut Roland Mühlebach, Metereologe bei MeteoSchweiz, bei 20,6 Grad. Dieser wurde am 27. Juli 1983 verzeichnet.

21,0 Grad: Neuer Höchstwert für den Säntis (Screenshot: MeteoSchweiz)
21,0 Grad: Neuer Höchstwert für den Säntis (Screenshot: MeteoSchweiz)
© 21,0 Grad: Neuer Höchstwert für den Säntis (Screenshot MeteoSchweiz)

Säntis - Wetterberg mit Geschichte

Auf dem Säntis wird die Temperatur seit dem 1. Januar 1864 gemessen. Die erste Wetterstation folgte 18 Jahre später im Jahr 1882. Sie ist eine der ältesten Wetterstationen, die in einer solchen Höhe gebaut wurde, sagt Gust Broger, zuständig für das touristische Angebot bei der Säntisbahn. Bis 1969 gab es auf dem Gipfel sogenannte Wetterwarte. Dieser Job war immer sehr beliebt. «Zum Teil blieb ein Wetterwartehepaar 20 bis 30 Jahre auf dem Säntis», sagt Broger. «Der Berg hat die Leute immer wieder in den Bann gezogen.»

Überschattet wurde die Wetterstation vom «Säntismord». Im Februar 1922 wurde das Wetterwartehepaar Haas ermordet. Dies wurde erst bemerkt, als der Wetterbericht ausblieb. Der mutmassliche Täter, Gregor Anton Kreuzpointner, wollte selbst den begehrten Job auf 2502 Metern über Meer. Diesen erhielt er aber nicht. Bis heute ist der Doppelmord nicht vollständig geklärt, weil sich Kreuzpointner das Leben nahm.

Beim letzten Rekord schon dabei

Gust Broger arbeitet bereits seit 29 Jahren bei der Säntisbahn. Der Hitzerekord von 1983 war zwar vor seinem Arbeitsbeginn beim Unternehmen, daran erinnern kann er sich aber doch noch: «Damals dachte man, das sei sehr abnormal für 2502 Meter über Meer». Das warme Wetter zeigt sich auch jetzt am Berg. Sogenanntes Steinwild verschiebt sich im Moment von der Südseite zur Nordseite, dort wo die Bahn zum Säntis fährt. «Die Tiere suchen wie auch wir Menschen den Schatten», sagt Broger. Der Berg ist aber - im Vergleich zum Tal - immer noch eine Abkühlung. «Man hat sehr lange Winter und freut sich dann natürlich schon, wenn es wieder wärmer wird», ergänzt er.

Neuer Rekord auch in St.Gallen möglich

Bereits erste neue Höchstwerte wurden registriert. 33,3 Grad gab es im bündnerischen Scuol. Der alte Rekord lag bei 33,1 und stammt aus dem Hitzesommer 2003. Die Station auf dem Ofenpass mass 28,1 Grad (bisheriger Rekord: 27,7 Grad im Jahr 1992). Auch in Davos schnellte heute das Thermometer in bisher unerreichte Höhen: 29,8 Grad (bisheriger Rekord: 29,3 Grad im Jahr 2015).

In der Stadt St.Gallen könnte der bisherige Temperaturrekord von 33,3 Grad vom 28. Juli 2013 in diesen Tagen erreicht oder überschritten werden, meint MeteoSchweiz-Meteorologe Roland Mühlebach. «Es ist durchaus möglich, dass auch hier ein neuer Rekord aufgestellt wird», sagt er auf Anfrage von FM1Today. Am Mittwoch mass die Wetterstation, welche im Quartier Notkersegg rund 100 Höhenmeter über dem Stadtzentrum liegt, maximal 31,2 Grad (17.40 Uhr). Somit war es wärmer als am Dienstag (Höchsttemperatur: 29,5 Grad). Hingegen in Chur wird der Temperaturrekord von 38,1 Grad sehr wahrscheinlich nicht erreicht. Dort mass die Wetterstation am Mittwoch 34,9 Grad.

Praktikant FM1Today
Quelle: ham
veröffentlicht: 26. Juni 2019 13:11
aktualisiert: 26. Juni 2019 21:29