«Sowas gibt es nur am Olma-Jahrmarkt»

Laurien Gschwend, 21. Oktober 2016, 08:46 Uhr
Morgens um 9.30 Uhr am Olma-Jahrmarkt. Der Stand mit dem Schnitzelbrot hat noch nicht geöffnet, auch Erdbeerwein kann man um diese Uhrzeit noch nicht probieren. Vor dem grossen Ansturm versorgen Lorena und Stefan Manser die Aussteller mit wärmendem Kaffee, Joghurt und Brötchen.

«Du magst deinen Kaffee am liebsten mit Vollmilch, gell?» Stefan Manser kennt die Standbetreiber bestens. «Es sind immer etwa dieselben, die wir mit Zmorge beliefern», sagt der Mörschwiler. Gemeinsam mit seiner jüngsten Tochter Lorena versorgt er diejenigen, die am Jahrmarkt arbeiten, mit einem ordentlichen Frühstück.

«Gehe mit, seit ich rechnen kann»

Für viele Marktfahrer gehört die Manser-Molkerei aus Mörschwil praktisch zum Jahrmarkt-Inventar. «Die Aussteller freuen sich immer sehr, wenn wir vorbeikommen», sagt Lorena. Die gelernte Konditorin-Confiseurin begleitet ihren Vater gerne auf der Zmorge-Tour. «Ich gehe schon mit, seit ich rechnen kann», sagt die heute 19-Jährige.

Vor rund 20 Jahren fuhr ein Manser-Auto über den Jahrmarkt, um Milchprodukte auszuliefern. «Einige Standbetreiber sprachen uns an, ob sie Milch und Joghurt bei uns beziehen können», so Stefan Manser. Dabei sei die Idee entstanden, Zmorge auf dem Jahrmarkt zu verteilen.

Käse, heisse Schokolade und erfrischende Getränke

Das Angebot hat sich über die Jahre stets erweitert. Im Manser-Lieferwagen finden hungrige Schausteller Milch, Joghurt, Rahm und Käse von der Manser-Molkerei selber. Von der Bäckerei Füger in Mörschwil kommen Backwaren hinzu. Am häufigsten konsumiert werden Kaffee und heisse Schokolade. «Für die Zubereitung der Heissgetränke steht meine Schwägerin morgens extra früh auf», sagt Stefan Manser. Wer eine Abkühlung braucht, kann auch Mineral, Orangensaft und Süssgetränke kaufen.

Billiger Jakob und Gemüsehobel-Verkäufer sind Kunden

Paul Bannwart, auf dem Jahrmarkt bekannt als Billiger Jakob, kauft beim Zmorge-Mobil täglich Kaffee und Gipfeli für sich und seinen Angestellten. «So müssen wir nicht in ein Restaurant», freut er sich. Auch Christiane Dyens kann ihren Stand mit Pfannen und Küchenhilfen aus Silikon nur schwer verlassen. «Einmal wollte ich mit meinem Chef um 8 Uhr morgens einen Kaffee trinken gehen - in der Umgebung fanden wir kein Lokal, das schon geöffnet hatte.» Umso praktischer, wenn Stefan Manser und seine Tochter ihr ein heisses Getränk vorbeibringen. Daniel Meier vom «Börner»-Gemüsehobel-Stand kauft beim Zmorge-Wagen Appenzeller Mineral. «Das ist mein Öl, denn ich muss ja so viel schwatzen.»

«Das geht unter Hobby»

Etwa zweieinhalb Stunden sind Lorena und Stefan Manser auf ihrer morgendlichen Tour unterwegs. Pünktlich vor dem Mittag sind sie fertig. «Genug früh, um den vielen Besuchern den Platz zu lassen», sagt Stefan Manser. Die elf Tage, an denen er am Olma-Jahrmarkt ist, sieht er nicht als Arbeit. «Das, was ich hier mache, geht unter Hobby», sagt er gegenüber einem befreundeten Marktfahrer. Im Berufsalltag ist er nie mit einem Zmorge-Mobil unterwegs.

Tradition geht weiter

Einen Zmorge-Service wie jenen am St.Galler Jahrmarkt sucht man in anderen Städten vergebens. «Sowas gibt es nur an der Olma», sagt der Billige Jakob. An einer der letzten Stationen auf der Tour fragt Stefan Manser eine Gruppe Schausteller, ob sie noch etwas Gesundes trinken möchten. «Wir trinken viele Trauben», sagt ein Kunde und lacht. «Ja, das ist recht so», erwidert Manser. Solange eine Nachfrage bestehe, so der Ostschweizer, werde er die Tradition weiterhin pflegen.

Laurien Gschwend
veröffentlicht: 21. Oktober 2016 08:46
aktualisiert: 21. Oktober 2016 08:46