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Kurzarbeit

Spitäler klagen: «Machen täglich 1 Million Franken Verlust»

2. April 2020, 21:28 Uhr
Die Spitäler dürfen nur noch dringende Operationen und Behandlungen durchführen. Gleichzeitig wird nach Personal gesucht, um mögliche Corona-Patienten pflegen zu können. Die Folge: Kurzarbeit und Millionen-Verluste.
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Quelle: TVO

«Es ist schon ein bisschen grotesk: Auf der einen Seite müssen wir Kapazitäten schaffen, auf der anderen Seite sind wir nicht ausgelastet», sagt Marc Kohler, CEO Spital Thurgau. Gerade eben wurde der alte Bettenturm für Intensivpatienten neu hergerichtet, Personal wird gesucht.

80 Prozent weniger ambulante Behandlungen

Kohler: «Wir suchen Personal und schicken es gleichzeitig in die Kurzarbeit, einfach als Vorbereitung auf das, was wahrscheinlich noch kommt.» Im Kanton Thurgau sind derzeit jedoch erst 22 Coronapatientinnen und -patienten in den Spitälern. Die Kantonsspitäler in Münsterlingen und Frauenfeld sind zu zwei Dritteln leer, die ambulanten Behandlungen um 80 Prozent zurückgegangen.

Doch die Weisung des Bundes ist klar: Derzeit dürfen medizinische Untersuchungen, Behandlungen und Therapien, die nicht dringend sind, nicht durchgeführt werden. Das Personal und die Spitäler sollen bereit sein für den Corona-Notfall.

Die Kurzarbeit wird überall kommen

Alleine im Kanton Thurgau fallen damit täglich rund 300 Operationen und Behandlungen weg. Kohler: «Das hat finanziell dramatische Konsequenzen. Wir verlieren momentan pro Tag netto rund 1 Million Franken.» In den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und St.Gallen ist die Situation ähnlich. Die Verluste sind enorm, die Kurzarbeit wird kommen.

Massive Folgekosten zeichnen sich ab

Doch auch die Arztpraxen leiden. Patientinnen und Patienten trauen sich nicht mehr zu den Routineuntersuchungen. Patrick Scheiwiler, Hausarzt und Vizepräsident der Ärztegesellschaft St.Gallen, sagt: «Wenn zum Beispiel ein Herzpatient nicht kommt, obwohl sein Gewicht steigt, weil das Herz nicht mehr genügend arbeitet, hat das Folgen. Bei einer Untersuchung könnten wir das mit Medikamenten steuern. Kommt er erst später, müsste man ihn hospitalisieren.»

Die Ärzte und die Spitäler hoffen jetzt auf Gelder des Bundesrates. Sie müssen zwar immer bereit sein, doch auch sie haben mit massiven Arbeitsausfällen zu kämpfen.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 2. April 2020 21:28
aktualisiert: 2. April 2020 21:28