St.Galler verstecken 72 Millionen in Liechtenstein

Laurien Gschwend, 3. Mai 2017, 09:50 Uhr
Hunderte St.Gallerinnen und St.Galler haben letztes Jahr eine Selbstanzeige erstattet. (Symbolbild)
Hunderte St.Gallerinnen und St.Galler haben letztes Jahr eine Selbstanzeige erstattet. (Symbolbild)
© KEYSTONE/DPA/Armin Weigel
Im vergangenen Jahr haben sich 582 St.Gallerinnen und St.Galler wegen Steuerhinterziehung selber angezeigt. 72 Millionen Franken versteckten sie im benachbarten Liechtenstein.

Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, haben die 582 Personen insgesamt 169 Millionen Franken offengelegt. Dass ein Grossteil (72 Millionen) in Liechtenstein versteckt war, erstaunt Felix Sager, Leiter des St.Galler Steueramts. Er glaubt, dass in diesem Jahr gar noch mehr Schwarzgeld zum Vorschein kommt.

Im Rahmen des automatischen Informationsaustauschs (AIA) sind die Liechtensteiner Finanzunternehmen voraussichtlich schon nächstes Jahr verpflichtet, die Daten ihrer Kundinnen und Kunden zu sammeln. Ab 2019 sollen diese dann der Schweiz geliefert werden; die Schwarzgeldkonti der Steuerpflichtigen werden so offengelegt.

Experte rechnet mit Schlussspurt

«Die 72 Millionen Schwarzgeld sind nur ein Anfang», ist auch Christoph Lehmann vom St.Galler Beratungsunternehmen Steuerpartner überzeugt. Er rechnet gemäss dem «Tages-Anzeiger» mit einem Schlussspurt, da viele Steuerhinterzieher bis zum letzten Moment warten, bis sie ihr Schwarzgeld zurück in die Schweiz holen. «2017 und 2018 werden noch viele Gelder aus dem Fürstentum offengelegt.»

Stiftungen als Instrument zur Steuerhinterziehung

Laut dem «Tages-Anzeiger» sind 30 der 72 Millionen Franken in Stiftungen versteckt, der Rest liegt in Depots oder auf Bankkonti. Stifter seien anonymer als Inhaber von Bankkonti. Waren Stiftungen einst dazu da, um Vermögen zu schützen, wurden sie bald als Instrument zur Steuerhinterziehung missbraucht.

Laurien Gschwend
Quelle: red.
veröffentlicht: 3. Mai 2017 09:50
aktualisiert: 3. Mai 2017 09:50