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Sterben die Ludotheken aus?

David Scarano, 30. September 2015, 18:12 Uhr
Ihre Räume voller Spielsachen bringen zwar Kinder zum Träumen, Ludotheken haben aber einen schweren Stand. Vor allem die, die ehrenamtlich betrieben werden. Wir haben zwei Ludotheken in der Ostschweiz besucht. Der einen, ehrenamtlich betriebenen Ludothek, läuft es nicht sonderlich gut, der anderen, professionel geführten, schon.

Während professionell geführte Ludotheken rege besucht werden und sich in den letzten Jahren zunehmender Kundschaft erfreuten, müssen ehrenamtliche Ludotheken darben. So auch die Ludothek in Wil. Dort stagnieren die Besucherzahlen.

Um zu überleben, brauchen Institutionen wie diese in Wil möglichst regelmässige und ausgedehnte Öffnungszeiten. Weil die Mittel knapp sind und dadurch das Personal fehlt, sind die meisten ehrenamtlich betriebenen Ludotheken nur an einzelnen Tagen pro Woche geöffnet. In Wil sind es insgesamt nur 7,5 Stunden pro Woche. Während den Schulferien sogar nur zwei Stunden.

Auch Räumlichkeiten sind entscheidend

Ein zweites, grosses Problem in Wil sind die Räumlichkeiten. Die Ludothek ist eng, auf zwei Stockwerken verteilt und in einem alten Haus untergebracht. «Mein Wunsch wäre es, dass die Ludothek in einen hellen, modernen und grossen Raum zügeln könnte, wo wir unser Angebot attraktiv präsentieren könnten», sagt die Leiterin der Ludothek Wil, Susanne Dobler. Der entsprechende Wunsch ist bei der Stadt Wil deponiert. Susanne Dobler möchte aus ihrer Institution auch einen Ort der Begegnung machen und nicht bloss einen Ort, wo man Spiele ausleiht. Eine Überlebenstaktik ist deshalb das Angebot von Animation und Spiel. Gewisse Ludotheken organisieren beispielsweise Spielabende für Klein und Gross. Das erlaubt ihnen auch, das Publikum zu durchmischen.

Den Turnaround geschafft

Im Gegensatz zu Wil ist man bei der Ludothek in Gossau sehr zufrieden. Dort präsentiert sich die Ausgangslage ganz anders. Die Ludothek ist seit 2012 nicht mehr ehrenamtlich, sondern professionell organisiert. Die sechs Angstellten beziehen einen fixen Stundenlohn von der Stadt Gossau. Diese leistet jährlich auch einen Trägerbeitrag an die Ludothek, womit nebst dem Lohn auch Neuanschaffungen bei den Spielgeräten bezahlt werden. Die Gemeinde übernimmt ausserdem die Miete der Ludothek. Diese ist in einem modernen Neubau gleich neben der Stadtbibliothek untergebracht. Agi Sutter, Leiterin der Ludothek Gossau: «Wir hatten grosses Glück und waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Eine Volksabstimmung im Jahr 2011 ebnete den Weg, dass Bibliothek und Ludothek nun unter einem Dach sind.» Laut Sutter ist das eine optimale Situation, weil beide Institutionen eine ähnliche, wenn nicht sogar die gleiche, Kundschaft haben.

David Scarano
Quelle: uli
veröffentlicht: 30. September 2015 17:49
aktualisiert: 30. September 2015 18:12