Sarganserland

19 weitere Risse: «Wolf tötet so viel, wie er kann»

10. August 2020, 16:19 Uhr
Ein Wolfspaar riss im Sarganserland mehrere Schafe. (Symbolbild)
© Keystone/DPA/Soeren Stache
Innerhalb von zehn Tagen rissen Wölfe im Sarganserland rund 40 Schafe. Das St.Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei vermutet, dass alle Angriffe vom selben Wolfspaar ausgingen. Seit einem Jahr ist im Gebiet die Präsenz eines Wolfspaares bekannt.

«Wir haben bisher 19 Schafe tot gefunden oder mussten sie aufgrund ihrer Verletzungen von ihrem Leid erlösen.» Dominik Thiel ist Leiter des St.Galler Amts für Natur, Jagd und Fischerei, er spricht über die Wolfsrisse, zu denen es zwischen Donnerstag und Samstag auf der Alp Gafarra in Mels in einem ungeschützten Gebiet zwischen den Pizolseen und dem Gebiet Schwarzplangg kam.

Wolfspaar wird seit einem Jahr beobachtet

Auf der Alp seien aktuell rund 1000 Schafe und das Gebiet sei sehr weitläufig: «Gut möglich, dass noch mehr gerissene Schafe auftauchen», sagt Thiel. Er geht davon aus, dass dasselbe Wolfspaar für die Risse verantwortlich ist, welches schon Ende Juli auf einer Flumser Alp 19 Schafe riss (FM1Today berichtete). «Das Weibchen und das Männchen wurden mehrfach genetisch nachgewiesen. Es ist das einzige Wolfspaar, das wir in dieser Region haben.» Es sei bereits während des letzten Jahres mehrfach beobachtet worden.

Mehr wisse das Amt aber erst, wenn die DNA-Proben ausgewertet seien: «Es dauert mehrere Wochen, bis die Ergebnisse vorliegen.» Gemäss Thiel ist aber noch nicht klar, ob die DNA-Proben wirklich die gewünschten Ergebnisse liefern. «Es kann auch sein, dass keine Individuen identifiziert werden können. Im dümmsten Fall wissen wir auch in sechs Wochen nur, dass es Wölfe gewesen sind.»

Dass ein Wolf in kurzen zeitlichen Abständen in diesem Ausmass Schafe reisse, sei zwar eher selten und könne unterschiedliche Gründe haben: «Einerseits ist es ein normales Verhalten, dass ein Wolf, wenn er die Gelegenheit hat, so viel tötet, wie er kann, weil er nicht weiss, ob er in den nächsten Wochen wieder die Gelegenheit hat.» Andererseits seien Schafe eine leichtere Beute, da sie, im Vergleich zu Wildtieren, einfach stehen bleiben und nicht Reissaus nehmen und flüchten würden. «Weshalb sollte ein Wolf einem Hirsch nachrennen, wenn die Schafe einfach dastehen?», fragt Dominic Thiel rhetorisch.

«Das Jagen ist ihr Business»

Der Wildbestand sei an und für sich in dieser Region sehr gut. «Wir werden wohl nie wissen, weshalb Wölfe Schafe jagen.» Wölfe seien sehr intelligente Tiere. So würden sie immer wieder auf spezielle Jagdtechniken zurückgreifen. «Es gibt Nachweise dafür, dass ein Einzelwolf einen Hirtenhund ablenkte, während ein weiterer Wolf die Schafe angriff. Das Jagen ist ihr Business. Sie müssen überleben und es überleben nur die Wölfe, die geschickt im Jagen sind.»

(abl)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 10. August 2020 13:28
aktualisiert: 10. August 2020 16:19