Fehlende Zoobesucher

Affen fehlt Interaktion, Ziegen sind auf Kuschelkurs

Dario Brazerol, 24. März 2020, 16:46 Uhr
Auch Schimpansen können sich mit dem Coronavirus anstecken.
© Tagblatt/Michel Canonica
Im Walter Zoo in Gossau fehlen aufgrund des Coronavirus die Besucher. Dies macht sich nicht nur in der Zoo-Kasse bemerkbar, auch die Tiere spüren die Veränderung.

Es herrscht Ruhe in den Schweizer Zoos. Wo sonst lachende Kinder zu hören sind, scheint die Natur fast wieder sich selbst überlassen zu sein. Idyllisch, friedlich aber auch befremdlich für die sonst vor Leben sprühenden Tiergärten. Doch nicht nur der Mensch, auch das Tier spürt, dass etwas anders ist.

Gewisse Tiere spüren Veränderung

«Es gibt keine Besucher und auch die Mitarbeiter verhalten sich anders. Die Tiere merken das», sagt Karin Federer, Direktorin im Gossauer Walter Zoo. «Tiere wie die Schimpansen suchen nun eher die Interaktion mit uns. Sie hocken hinter der Scheibe und fordern uns auf, mit ihnen zu spielen.» Doch nicht nur den Affen fehlt die Interaktion mit den Besuchern: «Unsere Geissen lassen sich oft von den Besuchern streicheln und füttern. Da dies nun wegfällt, kommen sie sehr oft zu uns, um sich ihre Streicheleinheiten abzuholen.» Doch die meisten der Tiere spürten gar nichts von der Veränderung, sagt Karin Federer. Vor allem Wildtiere, die auch ansonsten in keiner Interaktion mit den Besuchern stünden, verhielten sich wie immer. 

«Wohl der Tiere steht an erstere Stelle»

Am meisten betroffen vom Besucherschwund sind die Menschen, die nach wie vor für das Wohl der Tiere verantwortlich sind. Wie so viele andere Unternehmen generiert der Walter Zoo zur Zeit keine Einnahmen. «Für Mitarbeiter aus dem Besucherservice und dem Gastrobetrieb haben wir Kurzarbeit angemeldet. So können wir gewisse Einsparungen machen. Das Wohl der Tiere steht bei uns an erster Stelle», sagt Karin Federer.

Karin Federer, Direktorin Walter Zoo
© Tagblatt/Ralph Ribi

Mögliche Ansteckungsgefahr bei Schimpansen

Die Ausgaben liegen im Walter Zoo noch etwa bei 60 bis 70 Prozent des Normalbetriebes. Die Fixkosten sind hoch, die Tiere auf Nahrung und medizinische Versorgung angewiesen. Und auch das Personal muss mit medizinischer Schutzkleidung ausgestattet werden «Wenn wir die Schimpansen betreuen, müssen wir Schutzmasken tragen. Die Tiere könnten sich sonst bei uns mit dem Virus anstecken», sagt die Zoodirektorin. Dass sich Menschenaffen mit dem Coronavirus anstecken, ist zwar noch nicht erwiesen, doch da sich die Tiere in 98,7 Prozent der Genetik des Menschen gleichen, könnte eine Ansteckungsgefahr im Bereich des Möglichen liegen, heisst es in einer Pressemitteilung der Tierschutzorganisation Peta.

Zoo-Besuch via Internet

Ohne Besucher muss auch der Walter Zoo kreativ werden. Als Alternative werden vermehrt Social-Media-Kanäle genutzt, um den Zoo-Alltag mit der Online-Community zu teilen. Auch im Hinblick auf die Zukunft, sagt Karin Federer: «Die Besucher sollen wissen, dass es uns gibt, damit sie nach der Coronakrise auch wieder zu uns kommen. Wir und die Tiere sind darauf angewiesen, dass es weitergeht.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 26. März 2020 06:26
aktualisiert: 24. März 2020 16:46