St.Galler Schulstart

Akuter Fachkräftemangel im Lehrberuf – Lösungen sollen her

Yasmin Stamm, 2. September 2022, 13:43 Uhr
Der gegenwärtige Lehrpersonenmangel bereitet dem Kanton St.Gallen Kopfzerbrechen. Bei einer kantonalen Umfrage wurden 92 Schulen jeweils vor und nach den Sommerferien zu deren Situation befragt und das Ergebnis ist bedenklich.
Der Lehrpersonenmangel bleastet Lehrer*innen sowie auch Schüler*innen mental (Symbolbild)
© Keystone
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Der diesjährige Schulstart schien für viele St.Galler Schulen zu früh zu kommen. Zwei Umfragen des Bildungsdepartements zeigen, dass von 92 befragten Schulen 24 bis zum 30. Juni noch offene Stellen zu besetzen hatten. So kurz vor der Sommerpause wurden noch immer 58 Lehrerinnen und Lehrer gesucht, welche gesamt 807 Lektionen abdecken sollten. Dies entspricht ungefähr 29 Vollzeitjobs.

Eine zweite Umfrage nach der Sommerpause lässt jedoch aufatmen. Nur zwei Stellen seien im ganzen Kanton nicht besetzt worden. Die Situation hat sich somit über die Sommerpause entschärft. Doch das Problem ist strukturell, es wird auch im nächsten Schuljahr da sein.

Lösungsansätze des Bildungsrates sind vielschichtig

Damit die Schüler und Schülerinnen trotzdem gut betreut in das neue Semester starten konnten, wurden mehrere kurzfristige Massnahmen ergriffen, um möglichst viele Stellen zu besetzen.

Zum Beispiel wurden alle Lehrpersonen angefragt, welche in den letzten drei Jahren pensioniert wurden, ob sie freiwillig wieder befristet einsteigen würden. 30 Personen sagten zu.

Ebenfalls konnten Plätze durch Personal besetzt werden, welches nicht formell qualifiziert ist oder kein stufengerechtes Lehrerdiplom besitzt.

Auch die PHSG leistet Hilfe

Mit einem neuen Pilot-Studiengang möchte auch die Pädagogische Hochschule St.Gallen (PHSG) ihren Beitrag zur Entschärfung der Situation leisten. Mit dem Studiengang «Berufsintegriertes Studium» können Studenten und Studentinnen schon ab dem fünften Semester parallel zu ihrem Studium an Schulen unterrichten.

Somit können sie Praxis und Theorie noch enger miteinander verknüpfen und Erfahrungen sammeln. Ein ähnlicher Studiengang wurde schon auf der Sekundarstufe I lanciert.

Quelle: TVO

Ausgelöst durch verschiedene Faktoren

Schuld an dem Lehrpersonenmangel sind unter anderem die steigenden Schülerinnen- und Schülerzahlen, sowie die hohe Pensionierungsrate von früheren geburtenstarken Jahrgängen.

Ebenfalls hat der Anteil von teilzeitbeschäftigten Lehrpersonen wie auch der gegenwärtige Fachpersonenmangel in allen Berufssparten einen Einfluss auf die unbesetzten Stellen.

Der Bildungsrat setzte nun eine Arbeitsgruppe ein. Die Vorschläge aus dieser Gruppe konnten jedoch noch nicht auf den diesjährigen Schulstart angewendet werden.

Yasmin Stamm
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 2. September 2022 13:43
aktualisiert: 2. September 2022 13:43