Jan Scherrer

«Alle sind gespannt, wann ich den Trick das erste Mal zeige»

Lara Abderhalden, 19. Dezember 2020, 08:51 Uhr
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Quelle: FM1Today / Lena Rhyner

Dieses Video überraschte die Snowboard-Welt: Der Toggenburger Jan Scherrer stand als erster Athlet weltweit einen «Switch Alley-Oop Double Backside Rodeo 1080 Indy to Nose». Im Interview spricht er über seinen Sprung und die Corona-Saison.

Klingt schwierig – und ist schwierig. Der Sprung besteht aus einem rückwärts angefahrenen Doppelsalto mit drei hangaufwärts Drehungen um die eigene Achse. Diesen Sprung hat vor Jan Scherrer noch niemand gewagt. Anfang Oktober veröffentlichte der 26-jährige Toggenburger das Video aus Saas Fee und schrieb dazu: «Glücklich, diesen Trick in den Pipe-Wettkampf zu bringen» (FM1Today berichtete). Fünf Jahre habe er am Trick getüftelt, um herauszufinden, wie er funktionieren könnte.

Jan Scherrer, im Video ist zu sehen, wie Snowboard-Freunde dich umarmen und feiern, nachdem du den Sprung stehst, wie waren die Reaktionen seither? Haben sich viele bei dir gemeldet? 
Ich habe sehr viele verschiedene Rückmeldungen bekommen. Das Video kam in der ganzen Snowboardszene gross heraus. Viele, auch ältere Snowboarder, haben mir geschrieben – darunter auch Snowboardlegenden, mit denen ich noch nie zu tun hatten. Es hat sich gut angefühlt.

Welche Rückmeldung hat dich besonders gefreut?
Ich würde sagen, am meisten überraschte mich die Nachricht des US-amerikanischen Snowboarders und Filmlegende Travis Rice. Ich hatte mit ihm noch nie Kontakt. Allgemein hat sich bereits in Saas Fee, als ich den Sprung stand, etwas verändert. Ich konnte mich in eine andere Position versetzen und alle sind gespannt, wann ich den Sprung das erste Mal zeigen werde.

Hast du ihn seit Saas Fee wieder einmal gemacht?
Nein, das Problem war, dass die Pipes immer eisig waren oder die Qualität nicht mehr auf demselben Level war wie beim ersten Mal.

Gibt es Snowboarder, die den Sprung nachgemacht haben?
Nein, bisher gab es keine Nachahmer. Niemand hat sich herangetastet. Wir waren nach dem Trick noch drei Wochen in Saas Fee und es herrschten wieder gute Bedingungen, aber niemand zeigte einen Sprung, der in diese Richtung geht.

Hast du dich mittlerweile für einen Namen entschieden?
Ich habe mich entschieden, ihm keinen Namen zu geben. Der Trick braucht keinen Namen. Auf Instagram haben wir zum Spass einen Wettbewerb gemacht und da kamen zwei lustige Namen heraus. «Jan Tonic» und «Scherminator». Aber der Trick bleibt ein «Switch Alley-Oop Double Backside Rodeo 10».

Sehen wir den Sprung bereits beim Saisonauftakt in Laax (23. Januar 2021)?
Es kommt ganz darauf an, wie die Ausgangslage sein wird. Es ist kein Sprung, den ich sicher draufhabe. Wenn ich einen sicheren Run herunterbringe und dann einen drauflegen kann, vielleicht. Es ist aber auch möglich, dass das Niveau sowieso so hoch ist, dass ich den Sprung zeigen muss, um auf das Podest zu kommen.

Was ist dein Ziel für die kommende Saison?
Mein Ziel ist es, den Sprung an einem Wettkampf zu zeigen. Lieber früher als später. Ich will auch andere neue Tricks in den Contest bringen. Ich habe noch einen Frontside Double Cork 1440, den ich noch nie am Wettkampf gebracht habe. Mit diesen beiden Tricks komme ich auf ein Niveau, auf dem ich Wettkämpfe aus eigener Stärke gewinnen kann und nicht weil ein anderer stürzt.

Wie war das Coronajahr für dich?
Es war sportlich gesehen ein sehr spezielles Jahr, aber auch sehr gemütlich. Ich musste viel weniger reisen, war mehr alleine als im Team unterwegs. Die Zeit hat mir gutgetan. Es war nicht immer das Gleiche. Nicht immer dieselben Trainingsabfolgen. Ich fand es schön, den Frühling einmal anders zu sehen und nicht immer nur auf dem Berg zu sein. Es ist aber auch mühsam, weil gleich alle in Quarantäne müssen, wenn jemand aus dem Team positiv ist.

Du wohnst seit einer Weile nicht mehr im Toggenburg, sondern in Zürich – zieht es dich dennoch oft in deine Heimat?
Ich wäre gerne öfters im Toggenburg, aber das ist derzeit schwierig. Ich bin wegen des Studiums in Zürich und bin auch meistens dort, da ich mich aktuell nicht zu viel unter die Leute begeben darf, die ich nicht immer sehe. Quarantäne bedeutet immer einen grossen Trainingseinschnitt, deshalb bin ich nicht mehr oft im Toggenburg. Das gefällt mir aber nicht so.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. Dezember 2020 08:50
aktualisiert: 19. Dezember 2020 08:51