Amok-Alarm per App

Dario Brazerol, 16. August 2019, 09:02 Uhr
Die Notfall-App hilft nun auch St.Galler Lehrpersonen bei der Krisenbewältigung.
Die Notfall-App hilft nun auch St.Galler Lehrpersonen bei der Krisenbewältigung.
© Keystone/Walter Bieri
An den St.Galler Gymnasien und Berufsschulen wird aktuell ein neues Notfallsystem eingeführt. Über eine App können die Lehrpersonen in einem Krisenfall Alarm schlagen - beispielsweise bei einem Amoklauf.

Erst Anfang August sterben bei einem Amoklauf in den USA über 30 Personen. Von Tragödien solchen Ausmasses ist die Schweiz bisher verschont geblieben. Trotzdem rüsten die Schulen nun auf. In Zürich und im Thurgau wird schon länger darauf gesetzt, jetzt hat sie auch der Kanton St.Gallen eingeführt: die Notfall-App für Schulen.

App wappnet für sechs Krisenfälle

Die App ist für Apple- und Android-Geräte frei über den Store zugänglich. Die Lehrpersonen können unter sechs verschiedenen Krisenfällen auswählen: Medizinischer Notfall, Gewalt und Bedrohung, Evakuation, Brand, Todesfall oder vermisste Person. In den einzelnen Funktionen sind beispielsweise Notfallnummern oder Kontakte von Krisenteams hinterlegt, an welche sich die Lehrpersonen wenden können.

Ausschlaggebend für die Einführung der App sei aber nicht die Angst vor einem Amoklauf gewesen, sagt Bruno Müller, Leiter des Amts für Berufsbildung im Kanton St.Gallen: «Die App hilft dabei, im Krisenfall die richtigen Schritte einzuleiten. Die Erfahrung hat gezeigt, dass viele im Notfall nervös werden. Die App dient als Hilfe, um nichts zu vergessen.»

Grundschulen vorerst ohne Notfall-App

Eine Hilfe, die bisher nur den Lehrpersonen an den Berufsschulen und Gymnasien im Kanton St.Gallen vorbehalten ist. Grundschulen müssen vorerst noch ohne Notfall-App auskommen. Dies könnte sich aber ändern, sagt Müller: «Mit dem entsprechenden Amt sind wir bereits in Kontakt. Allerdings sind im Gegensatz zu den Berufsschulen und Gymnasien die einzelnen Gemeinden für die Grundschulen zuständig. So wird es ein wenig umständlicher.»

Dies liegt daran, dass die Gemeinden für die App eine Lizenz erwerben müssten. Bei den Berufsschulen und Gymnasien regelt dies der Kanton. «Grundsätzlich sind auch für die Gemeinden die Lizenzmöglichkeiten gegeben. Ganz gratis ist die App aber nicht», sagt Müller. Dies, weil die Daten im Hintergrund stetig erarbeitet und aktualisiert werden müssen: «Die St.Galler Berufsschulen befinden sich zum Teil an unterschiedlichen Standorten. Die App muss wissen, dass ich an einer Schule in Sargans nicht zu einem Evakuationspunkt in der St.Galler Innenstadt geführt werden soll.»

Dario Brazerol
Quelle: dab
veröffentlicht: 16. August 2019 08:22
aktualisiert: 16. August 2019 09:02