Ansturm auf Caritas

«Armut hat einen extrem hohen Schamfaktor»

25. Mai 2020, 18:49 Uhr
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Quelle: tvo

Die Corona-Krise macht sich im Portemonnaie vieler Menschen bemerkbar. Gerade Leute, die sowieso schon an der Armutsgrenze lebten, bekommen das zu spüren. Die Caritas-Läden in der Ostschweiz verzeichnen viel mehr Kundinnen und Kunden.

Seit Beginn der Corona-Krise kaufen immer mehr Menschen in den Caritas-Läden ein. Die Armut zwingt sie dazu. Zwischen 150 bis 200 Leute besuchen täglich den Caritas-Markt in St.Gallen, die Beratungsgespräche sind um die Hälfte gestiegen, 120'000 Franken wurden an Unterstützungsbeiträgen ausgezahlt.

Philipp Holderegger, Geschäftsführer Caritas St.Gallen-Appenzell, sagt: «Das sind jene Menschen, die sich bis jetzt durchgewurstelt haben. Die waren nicht schon vor der Krise auf dem Sozialamt. Sie haben sich mit Händen und Füssen dagegen gewehrt, in die Armut abzurutschen. Armut hat einen extrem hohen Schamfaktor.»

Oft handelt es sich dabei um Menschen, die im Stundenlohn angestellt waren und in den letzten Monaten weniger arbeiten konnten. «Jetzt haben sie schlicht kein Geld mehr», sagt Holderegger. Er erwartet auch, dass sich die Zahl der Caritas-Besucherinnen und -Besucher noch steigern wird: «Einige Leute brauchen jetzt noch ihre letzten Reserven, bevor sie sich Hilfe holen.»

Was sich kaum unterscheidet, ist die Art der Einkäufe. «Ganz zu Beginn der Krise gab es Panikkäufe. Das hat sich jetzt aber ein bisschen normalisiert», sagt Sybille Pelzmann, Leiterin des Caritas-Markts in St.Gallen.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 25. Mai 2020 18:49
aktualisiert: 25. Mai 2020 18:49