Wiler Schulrat

Aufsichtsbeschwerde: Schulrätin sieht sich als Opfer einer Intrige

27. Oktober 2020, 10:04 Uhr
Schulrätin Evelnye Engeler Mohn (Mitte rechts) kritisiert und beschuldigt Schulratspräsidentin Jutta Röösli (Mitte links).
© Tagblatt
Gegen die langjährige Wiler Schulrätin Evelyn Engeler Mohn wurde eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht. Diese geht damit in die Offensive und schiesst einen Monat vor den Stadtratswahlen gegen die Stadträtin und Schulratspräsidentin Jutta Röösli.

Beim Wiler Bildungsdepartement ist Feuer im Dach. Gegen die Schulrätin Evelyne Engeler Mohn wurde eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht. Darin genannt werden unter anderem folgende Vorwürfe: Sie habe ihre Kompetenzen überschritten, Partei ergriffen und vertrauliche Informationen an Drittpersonen und Medien weitergegeben.

Die Schulrätin bestreitet die Vorwürfe und wendet sich mit dieser Angelegenheit an die Öffentlichkeit. Die Aufsichtsbeschwerde habe die Züge einer Intrige und es handle sich um ein abgekartetes Spiel, schreibt sie in einer E-Mail an diverse Ostschweizer Medien.

Beschwerde vom Juni bislang unbekannt

Die Beschwerde, welche FM1Today vorliegt, sei von drei Mitarbeitern einer Wiler Schuleinheit eingereicht worden. Dies geschah bereits am 24. Juni, davon erfahren hat Engeler Mohn laut eigenen Angaben erst am 19. Oktober.

Philipp Gemperle, Kommunikationsverantwortlicher der Stadt Wil, bestätigt, dass die Aufsichtsbeschwerde erst sehr spät zugestellt wurde. Aufgrund der personell schwierigen Situation habe sich die Angelegenheit verzögert.

Konkret wird Engeler Mohn vorgeworfen, ihre Kompetenz als Schulrätin mit der Durchführung von Unterrichtsvisitationen überschritten zu haben. Darüber hinaus soll sie vertrauliche Informationen an Drittpersonen weitergegeben, darüber Auskunft gegeben oder mit Drittpersonen diskutiert haben.

Weiter wird ihr angelastet, ihrer Funktion als neutrales Behördenmitglied nicht nachgekommen zu sein, als sie in einer «schwierigen Situation» Partei für eine Minderheit von Eltern ergriffen habe. Damit zu tun haben könnte auch der letzte Punkt: Engeler Mohn soll ihren Anteil daran gehabt haben, dass die Wiler Nachrichten immer wieder über die Auseinandersetzungen beim Wiler Kindergarten Städeli berichtet haben.

Die Beschuldigte schiesst zurück

Evelyne Engeler Mohn, welche vor einigen Wochen wiederholt in den Schulrat gewählt wurde, dementiert in einer schriftlichen Stellungnahme sämtliche Vorwürfe.

So habe sie weder Unterrichtsvisitationen vorgenommen, noch Informationen weitergeben oder Partei für Eltern ergriffen. Zudem stellt sie infrage, was mit der erwähnten «schwierigen Situation» überhaupt gemeint sei und bittet um Klarstellung.

Die Beschwerdesteller direkt aufs Korn nehmen will sie nicht – Engeler Mohn sieht das Problem in der Schulratspräsidentin.

«Ich habe Grund zur Annahme, dass Schulratspräsidentin Jutta Röösli die treibende Kraft hinter dieser Beschwerde ist», schreibt Engeler Mohn. Es sei bekannt, dass Röösli ein Problem mit ihr habe, weil sie sich als Einzige nicht dem Diktat ihrer Vorgesetzten unterwerfe.

Für die anstehenden Stadtratswahlen wünscht sie sich deswegen eine Veränderung im Bildungsdepartement der Stadt Wil. Unter der aktuellen Führung von Röösli herrschten, so die Schulrätin, Intransparenz, Denunziation und Mauschelei.

Mit den vorliegenden Unterlagen lassen sich weder die Vorwürfe in der Beschwerde noch die Verdächtigung gegen die Schulratspräsidentin belegen. Unklar ist auch, welche Rolle Engeler Mohn in der Geschichte mit dem Städeli-Kindergarten gespielt haben soll – wenn überhaupt.

Klar ist jedoch, dass im Wiler Schulrat ein bitterkaltes Klima herrscht und die Fronten verhärtet sind. Der zweite Wahlgang des Wiler Stadtrats, wo auch Jutta Röösli antreten muss, ist auf den 29. November angesetzt.

(thc)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 27. Oktober 2020 09:41
aktualisiert: 27. Oktober 2020 10:04