St.Gallen

Autofahrer wird dreimal mit gleichem Temposünder verwechselt

Christoph Fust, 2. Februar 2021, 08:00 Uhr
Immer wieder wird ein St.Galler mit einem ihm unbekannten Temposünder verwechselt und erhält dessen Bussen. Bei der Polizei hat er bislang immer Recht bekommen, allerdings fragt er sich, weshalb es immer wieder zur Verwechslung kommt.
Weil aus der Null eine Acht wurde, ging die Busse an den Falschen. (Symbolbild)
© Tagblatt/Michel Canonica

Geschwindigkeitsbussen bezahlt niemand gerne, nicht die eigenen und schon gar nicht die von jemand anderem. Genau davor muss Stephan* aber regelmässig auf der Hut sein: «In den vergangenen Jahren wurde ich von der Polizei schon dreimal mit einem anderen Autofahrer verwechselt, und zwar immer mit dem selben.»

Anfangs habe er sich noch nichts dabei gedacht. Doch als er vor einigen Tagen die mittlerweile dritte Busse bekommen hat, für die er nichts konnte, sei er stutzig geworden. «Die Rechnungen sind von der Polizei zwar jedes Mal anstandslos storniert worden, weil ich glaubhaft machen konnte, dass nicht mein Auto auf dem Foto zu sehen ist», sagt der St.Galler.

Ausserdem sei er praktisch nie im Rheintal unterwegs, wo die fraglichen Geschwindigkeitsübertretungen passiert seien. Dennoch: «Langsam rege ich mich über diese falschen Bussen auf, auch wenn es jeweils nur um 40 Franken ging.»

Aus Null mach Acht

Beim letzten Mal habe er deshalb genauer nachgefragt. Das Nummernschild des Temposünders und das von Stephan sind laut Auskunft der Kantonspolizei St.Gallen fast identisch. Einziger Unterschied: Beim Schnellfahrer steht eine Null, wo bei Stephan eine Acht ist. «Man hat mir erklärt, dass bei der Null genau in der Mitte eine Schraube hervorsteht und dass es darum immer wieder zur Verwechslung mit mir kommt», sagt Stephan. «Wie kann es sein, dass das System dies nicht erkennt?»

Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, erklärt auf Anfrage: «Unsere Mitarbeitenden müssen die Fotos der Überwachungsanlage manuell per Maus auswählen und dabei kann es ab und zu vorkommen, dass ein Nummernschild falsch erkannt wird oder zu wenig genau hingeschaut wird.»

Man müsse jedoch beachten, dass im Kanton St.Gallen allein jedes Jahr etwa 280'000 Fotos im Zusammenhang mit Geschwindigkeitsübertretungen bearbeitet werden. Die Fehlerquote sei im Promillebereich und bei jeder gerechtfertigten Reklamation werde die Rechnung sofort storniert, wie im Fall von Stephan.

«Von einem Profi ist das nicht»

Gründe für die falsche Erkennung von Nummernschildern gibt es laut Polizei. Die Qualität der Bilder könne aufgrund von Sonneneinstrahlung, Witterung, Tageszeit, Kamerawinkel, Platzverhältnisse der Strasse oder Zustand des Schildes unterschiedlich gut sein. Hanspeter Krüsi kennt sogar Fälle, wo Autofahrer ihr Nummernschild extra nicht waschen, damit sie nicht gut erkannt werden.

Und was das Kennzeichen im Fall von Stephan angeht, ist sich Krüsi sicher: «Das hat kein Profi montiert, der würde nämlich keine Schraube durchs Blech drehen.» Insofern sei der Aufwand für den zu Unrecht Beschuldigten zwar mühsam, aber die Polizei biete unkompliziert Hand.

«Hätte es ohne nachzuschauen bezahlt»

Dies bestätigt auch Stephan und er ist froh über das Vorgehen der Polizei. Andererseits fände er einen Abgleich mit dem eingetragenen Autotyp sinnvoll. Über seinen «Nummernschild-Zwilling» weiss er bis heute nichts Weiteres. Ausser, dass es wahrscheinlich ein Rheintaler ist, da die Vorfälle immer dort stattfanden. «Schlussendlich hatte ich Schwein, dass es nicht um Vorfälle auf der Stadtautobahn ging. Da hätte ich die Busse wahrscheinlich ohne nachzuschauen bezahlt.»

*Name abgeändert

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 2. Februar 2021 07:29
aktualisiert: 2. Februar 2021 08:00
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