Uzwil

Bei Bühler wird für monatlich 100'000 Franken «gespeuzt»

Sandro Zulian, 3. März 2021, 16:57 Uhr
Testen sich alle 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bühler einmal die Woche, kostet das den Konzern 100'000 Franken monatlich.
© Bühler
Der Technologiekonzern Bühler in Uzwil testet seit Dienstag seine Mitarbeiter auf eigene Faust. Mit Spucktests sollen die 3000 Mitarbeiter am Hauptsitz in der Ostschweiz besser vor einem Ausbruch des Coronavirus geschützt werden.

In Uzwil wird gespuckt, was das Zeug hält. 3000 Mitarbeiter des Technologieriesen Bühler dürfen sich seit Anfang Woche auf freiwilliger Basis am Hauptsitz auf das Coronavirus testen lassen.

Wöchentlich dürfen diese einen Corona-Spucktest mit nach Hause nehmen, sagt der Personalchef von Bühler, Christof Oswald, auf Anfrage FM1Today: «Sollte der Test positiv sein, muss dieser zwingend via Hausarzt mit einem PCR Test bestätigt werden.»

Bühler widerspricht Bund

Davon erhofft sich Bühler einiges, sagte Oswald bereits am Dienstag im SRF: «Wir hoffen, dass man so die sogenannten Schläfer entdeckt.» Damit sind Menschen ohne Symptome gemeint, die das Virus nach wie vor weitergeben können.

Der Bund hält derzeit nicht viel von diesen Spucktests, da sie zu ungenau seien. Oswald: «Es ist nicht relevant, ob der Test 100- oder 80-prozentige Genauigkeit aufweist. Jede Person, die wir erkennen, ist eine weniger.» Ausserdem sagt Oswald zum Thema Selbsttests: «Der Speicheltest ist gelistet beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Deutschland) und hat eine Sensitivität von 96 Prozent sowie Spezifität von 99.78 Prozent.»

100'000 Franken im Monat

Wenn Bühler jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter wöchentlich einmal testet, so kostet das den Technologiekonzern monatlich ungefähr 100'000 Franken. Kein billiges Unterfangen, aber eines das sich lohnt, sagt Christof Oswald: «Als globales Unternehmen hat die Sicherheit der Bühler-Mitarbeiter höchste Priorität. Der Test ist Teil unserer Drei-Säulen-Strategie: Hygiene- und Verhaltensregeln, Testen und Impfen.» Die Investition einer solch grossen Summe stelle darum eine praktische und kostengünstige Lösung für Organisationen dar.

«Wirtschaft und Kantone sollten zusammenspannen»

Die Grossfirma hofft mit ihrem pionierhaften Vorpreschen indes auch auf Nachahmer in der Wirtschaft und auf das Einlenken der Kantone. Die ganze Bevölkerung solle schnellstmöglich Zugang zu solchen Spucktests bekommen. Personalchef Oswald nimmt beide in die Pflicht: «Wirtschaft und Kanton sollten zusammenspannen und gemeinsam dafür sorgen, dass die Bevölkerung unkompliziert und günstig zu Tests kommt.»

Es gebe genügend wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass zertifizierte Schnelltests präzise und effizient sind. «Mit der nötigen Kombination von Hygiene, testen und impfen können wir gemeinsam und wirkungsvoll Corona entgegenwirken», sagt der Personalchef.

Die Test-Aktion bei Bühler laufe so lange, bis die Belegschaft die Möglichkeit hat, sich impfen zu lassen.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 3. März 2021 15:11
aktualisiert: 3. März 2021 16:57