FM1-Land

Betrüge und Erpressungen via Internet nehmen zu

28. März 2022, 16:16 Uhr
Die St.Galler Kantonspolizei hat im vergangenen Jahr eine Zunahme der Cyberkriminalität festgestellt. So wurden 1221 Internet-Betrügereien erfasst, 17 Prozent mehr als 2020. Der Trend zur Zunahme der Cyberkriminalität zeigt sich auch in Graubünden.
Die St. Galler Kantonspolizei stellte im vergangenen Jahr eine Zunahme der Betrügereien und Erpressungen übers Internet fest. (Symbolbild)

Die Polizei legte am Montag mit der jährlichen Kriminalstatistik erstmals eine detaillierte Übersicht über die Cyberdelikte vor. Diese «Straftaten mit einem Modus Operandi der digitalen Kriminalität», so die Polizei, nahmen um 15 Prozent auf 1771 Fälle zu.

Der grösste Teil, nämlich 1437 (+25 Prozent), waren Vermögensdelikte. Davon waren wiederum der grösste Teil Internet-Betrügereien, nämlich 1221 Fälle (+17 Prozent). Dazu gehören Betrüge mittels Schadsoftware per Internet oder Mail, Phishing-Attacken, Romance-Scam oder Bestellungsbetrüge.

Für detaillierte Angaben verweist die Kantonspolizei auf die Homepage des Nationalen Zentrums für Cybersicherheit (NCSC) unter www.ncsc.admin.ch. Dem NCSC sei mittlerweile auch die Melde- und Analysestelle Informationssicherheit des Bundes (MELANI) angegliedert, hiess es.

«Enorme Herausforderung»

Die Zahlen zeigten, dass der Aufbau des Kompetenzzentrums Cybercrime der St.Galler Kantonspolizei und der Staatsanwaltschaft im Jahr 2018 «dringend notwendig war». Mit der Cyberkriminalität steigen auch die technischen, juristischen und buchhalterischen Anforderungen an die Mitarbeitenden der Polizei.

Internet-Delikte seien zudem häufig über die Landesgrenzen hinweg angelegt, oder die Schädigung werde in virtuellen Währungen beziffert. Solche Delikte zu bewältigen, sei für die St.Galler Kantonspolizei «bei gleich bleibenden Ressourcen eine enorme Herausforderung».

Die Gesamtzahl aller Straftaten in St.Gallen 2021 blieb mit 25'530 erfassten Taten praktisch unverändert. Zugenommen haben gemäss Statistik die schweren Gewaltdelikte – Tötungsdelikte, schwere Körperverletzungen und Vergewaltigungen. Einen Rückgang gab es bei Einbrüchen, Diebstählen und den Fällen von sexuellen Handlungen mit Kindern.

Viel mehr Drogentote

Die Drogenkriminalität veränderte sich mit 3448 Fällen nur wenig. Die Polizei stellte 24 Kilogramm Heroin, 7,5 Kilogramm Kokain, rund 800 Kilogramm Drogenhanf-Pflanzen, 137 Kilogramm Marihuana-Blüten und rund 8 Kilogramm Haschisch sicher, ausserdem Amphetamine, halluzinogene Pilze und GHB (KO-Droge).

22 Menschen starben im vergangenen Jahr wegen Drogenkonsums. Das sind 15 mehr als noch 2020, laut Polizei eine «enorme Zunahme» von mehr als 200 Prozent.

Im Kanton Graubünden gingen Gewaltstraftaten zurück

Auch im Kanton Graubünden hat die digitale Kriminalität besonders stark zugenommen. 2021 wurden 570 Cyber-Straftaten begangen, ganze 71 Prozent mehr als im Vorjahr. Vier Fünftel dieser Fälle waren Wirtschaftsdelikte, bei einem Sechstel handelte es sich um Sexualdelikte.

Gleichzeitig sind im Kanton Graubünden die Gewaltstraftaten letztes Jahr stark zurückgegangen. Die Strafbehörden registrierten 543 Fälle, 20 Prozent weniger als 2020. Dabei ging die häusliche Gewalt im Rahmen von familiären und familienähnlichen Beziehungen um 15 Prozent auf 217 Fälle zurück, wie aus der am Montag veröffentlichten Kriminalstatistik der Kantonspolizei hervorgeht. Etwa die Hälfte dieser Fälle betrifft Paarbeziehungen.

Mehr Straftaten im Kanton Thurgau 

Die Zahl der Straftaten im Kanton Thurgau hat 2021 um 11 Prozent zugenommen und ist damit wieder auf dem Stand vor der Corona-Pandemie.

Deutlich angestiegen ist die Zahl der Betrugsdelikte. Von den 503 Fällen (+17 Prozent) wurden die meisten mit Computerhilfe verübt. Die Zahlen widerspiegelten die «rasante Entwicklung bei den Online-Shopping- und Verkaufsplattformen, auf denen sich auch viele gut organisierte Betrüger tummeln», wie es hiess.

Viele Internet-Betrügereien

Bei der Cyberkriminalität registrierte die Polizei eine Zunahme der Fälle um 25 Prozent. Mehrheitlich waren es Internet-Betrüge, daneben auch betrügerischer Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage oder Erpressung.

Am 1. März zählte die Thurgauer Kantonspolizei 416 Polizistinnen und Polizisten. Damit ist die 2020 vom grossen Rat beschlossene Aufstockung der Polizei bereits zu einem Drittel realisiert. Bis etwa 2032 soll das Korps weiter wachsen auf 475 Mitarbeitende.

Quelle: sda
veröffentlicht: 28. März 2022 14:10
aktualisiert: 28. März 2022 16:16
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