St.Gallen

«Biker sind ja keine bösen Menschen»

31. Juli 2020, 05:50 Uhr
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Quelle: tvo

Mountainbiker fahren in den Wäldern auf illegalen Trails. Darunter leiden besonders die Wildtiere. Deshalb startete der Kanton St.Gallen 2019 das Pilotprojekt gegen solche Biketrails. Nun wird Bilanz gezogen.

Das Kies knirscht unter den Sohlen. Ein breiter Weg führt in den Wald hinein. Blickt man nach links, sieht man einen steilen, erdigen Abstieg. Oberhalb ist ein grosses Plakat angebracht. Darauf steht: «Kein Biketrail. Dem Wald und den Tieren zuliebe.» Raphael Lüchinger ist seit acht Jahren Regionalförster des Kantons St.Gallen in der Waldregion 1. Er steht im Bruggwald und zeigt auf die verschiedenen Waldwege.

Ein Waldweg, der rechts vom Plakat ist, fällt besonders auf: Schanzen und kleine Hindernisse prägen die gesamte Strecke. Lüchinger sagt: «Eigentlich ist das kein offizieller Biketrail.» Mountainbiker hätten von Zeit zu Zeit Schanzen aufgebaut. «Besonders während der Coronakrise spriessten im Wald Bauten und Anlagen aus dem Boden», sagt Lüchinger. Der Weg wird von vielen Bikern befahren. Einige meinen wohl, dass es sich um einen offiziellen Trail handelt. Generell gilt: Wege, die klassiert oder breiter als zwei Meter sind, dürfen von Bikern befahren werden. Jedoch dürfen keine Schanzen ohne Erlaubnis des Waldeigentümers oder Baubewilligung gebaut werden. «Und genau das ist bei diesem Weg der Fall», so Lüchinger.

Die Wildtiere leiden

Neben den Schanzen gibt es ein weiteres Problem. «Biker fahren teilweise quer durch den Wald. Strecken, die früher Trampelpfade waren, sind nun Biketrails», sagt Lüchinger. Unter diesen Entwicklungen leiden besonders die Wildtiere. «Der Lebensraum wird ihnen weggenommen und sie geraten unter Stress», erklärt Lüchinger. Er zeigt auf eine weitere Abzweigung. «Dieses Waldstück auf der Rippe ist geschützt, da es aufgrund von Orchideenvorkommen ökologisch wertvoll ist», sagt der Regionalförster. Dennoch sind deutliche Velospuren in der Erde zu sehen.

«Ziel ist es, zu sensibilisieren»

Um diese Problematik zu lösen, wurde vor etwa einem Jahr ein Pilotprojekt gegen illegale Biketrails gestartet. Lüchinger und sein Team haben eine Internetseite aufgebaut, diverse Gespräche mit Mountainbike-Vertretern geführt, Bikeläden informiert, Medienmitteilungen verschickt sowie Plakate im Wald aufgehängt. Ebenfalls wurden auch schon Kontrollaktionen mit der Polizei durchgeführt. Bussen gab es keine.

«Die Biker sind ja keine bösen Menschen», sagt Lüchinger. «Unser Ziel ist es, die Menschen zu sensibilisieren.» Während der Coronakrise mussten sie das Projekt temporär stoppen. Nun sind weitere Kontrollaktionen mit der Polizei geplant. Falls sich die Situation nicht verbessert, werden demnächst Bussen in Höhe von 50 Franken erteilt. «Das wird das illegale Befahren nicht gänzlich stoppen, jedoch löst das bestimmt eine Signalwirkung aus», sagt Lüchinger.

Bisher habe das Pilotprojekt bei vielen ein erhöhtes Bewusstsein für den Waldlebensraum geschaffen. Dennoch weiss der Waldliebhaber: «Wir haben noch viel Arbeit vor uns und sind uns bewusst, dass auch das Angebot an Biketrails verbessert werden muss.»

(jas)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 30. Juli 2020 19:07
aktualisiert: 31. Juli 2020 05:50