«Zur Sache»

«Bin überzeugt, dass es in St.Gallen keine Covid-Triage geben wird»

8. Dezember 2021, 21:26 Uhr
Die Corona-Fallzahlen steigen jeden Tag, die Plätze auf den Intensivstationen werden weniger. In der TVO-Sendung «Zur Sache» diskutieren der St.Galler Infektiologe Pietro Vernazza und die Präsidentin der Verbindung Schweizer Ärztinnen und Ärzte Yvonne Gilli über weitere Massnahmen und die Gefahren einer Covid-Triage.
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Quelle: tvo

Braucht es weitere Massnahmen, um die Zahl der Corona-Neuinfektionen zu senken? Pietro Vernazza und Yvonne Gilli sind sich nicht einig. «Weitere Massnahmen müssen national koordiniert werden, auch wenn die Menschen massnahmenmüde sind», sagt die Präsidentin der Verbindung Schweizer Ärztinnen und Ärzte. Alle, die noch nicht geimpft sind, sollen dies nun nachholen. Ausserdem sollen die privaten Kontakte reduziert und die Hygienemassnahmen eingehalten werden.

«Lage ist nicht so dramatisch, wie geschildert»

Der ehemalige Chefarzt der Infektiologie am Kantonsspital St.Gallen Pietro Vernazza hingegen beschwichtigt: «Die Lage ist nicht so dramatisch, wie sie geschildert wird. Ich sehe die Belastung der Intensivstationen, ich sehe aber auch, dass viele Leute verstanden haben, dass man sich impfen lassen muss.» Aktuell hätten die Leute Angst. Junge gesunde Menschen würden aber keine dritte Impfung brauchen.

Auch wenn sich Yvonne Gilli schärfere Massnahmen wünscht, von 2G hält sie nicht viel: «2G nützt nichts. Personen, die frisch getestet sind und keine Symptome zeigen, schützen andere besser als geimpfte Personen, die Symptome zeigen. 2G wägt uns in einer falschen Sicherheit.» Es sei deshalb umso wichtiger, dass sich auch geimpfte Personen bei Erkältungssymptomen testen lassen und zu Hause bleiben.

«Die Triage musste schon immer gemacht werden»

Die Intensivstationen in der Schweiz füllen sich von Tag zu Tag mehr. Umso wichtiger sei es, dass eine Covid-Triage verhindert werde, sagt Gilli. «Auf Intensivstationen muss man beurteilen, wie hoch die Überlebenschance des Patienten ist und wie die Lebensqualität nach dem Spitalaufenthalt aussieht. Das nennt man in der Medizin grundsätzlich Triage. Bei einer Covid-Triage entscheidet man nicht nur auf der Basis der Überlebenschance und der Lebensqualität, sondern auch danach, für wen es Platz hat. Das ist für ein Land wie die Schweiz unwürdig.»

Vernazza indes glaubt nicht, dass es so weit kommen wird: «Ich bin überzeugt, dass es in St.Gallen keine Covid-Triage geben wird. Die Triage auf den Intensivstationen musste schon immer gemacht werden. Es ist ein Abwägen. Das wird von einem Team gemacht, das erfahren und geschult ist. Es ist absurd, wenn Experten und Ethiker nun sagen, wie die Triage gemacht werden muss.»

Die ganze Folge «Zur Sache» kannst du dir oben im Video anschauen.

(red.)

Quelle: TVO
veröffentlicht: 8. Dezember 2021 19:05
aktualisiert: 8. Dezember 2021 21:26
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