Binäre Uhr - nur von vorne schön

Angela Mueller, 10. April 2018, 18:34 Uhr
Die binäre Uhr des Künstlers Norbert Möslang am Bahnhof St.Gallen gibt zu reden. Nun wird Kritik an der Platzierung laut - in der Ankunftshalle passt die Anzeigetafel nicht mit der Uhr zusammen.

Deplatziert? Kommt man von der Bahnhofsunterführung hoch in den Glaskubus der Ankunftshalle, wird der Blick vom Zusammenlaufen der binären Uhr mit der Anzeigetafel des Nahverkehrs irritiert. Die Kunst am Bau und die Funktionalität kommen sich ganz offensichtlich gegenseitig ins Gehege. Weder die Uhr noch die Anzeigetafel finden den Raum, den sie brauchen.

«Verunstaltet und verloren»

Dies wird auch auf der Stadtmelder-Seite bemängelt: Jemand schreibt: «Deplatziert, verunstaltet und verloren: Da wurde ein wirklich tolles Kunstwerk gestaltet und dann hängt nun diese Farbanzeige davor. Bitte gebt der Anzeige einen anständigen Platz und damit auch dem Kunstwerk den entsprechenden Raum.»

Die Kritik scheint nicht unberechtigt und lässt den Verdacht aufkommen, die Anzeigetafel sei im Nachhinhein aufgehängt worden. Doch das ist offenbar genau falsch.

Bei der Planung der Ankunftshalle wurde bereits im Auflageprojekt festgelegt, wo die Anzeigetafel für den Nahverkehr hängen soll und zwar aus funktionalen Gründen zentral über dem Aufgang aus der Rathausunterführung. «Die Sichtbarkeit der Tafel hatte grosse Priorität», sagt Beat Rietmann, Stadtingenieur von St.Gallen. Erst in einer weiteren Phase wurde der Gewinner des Wettbewerbs Kunst am Bau juriert und anschliessend das Projekt weiter entwickelt.

«Ein schöner Nebeneffekt»

Norbert Möslangs binäre Uhr an der Fassade der Ankunftshalle sollte ursprünglich in erster Linie vom Bahnhofplatz her gesehen und gelesen werden; so war die Idee und wurde von dieser Perspektive aus auch von der Jury prämiert. In der Jury waren neben diversen Kunstschaffenden auch Vertreter der Stadt und der Planergemeinschaft Akari, die Wettbewerbgewinner des Projekts Bahnhof und Bahnhofplatz, vertreten. «Dass man die binäre Uhr auch von Innen und spiegelverkehrt lesen kann, ist ein schöner Nebeneffekt und auch ein notwendiger Kompromiss zwischen Funktionalität einer Ankunftshalle und deren Kunst am Bau», sagt Rietmann.

Angela Mueller
veröffentlicht: 10. April 2018 18:11
aktualisiert: 10. April 2018 18:34