St.Gallen

«Bitter» – Schon Ende Monat ist Schluss bei Zollibolli in der Altstadt

Laurien Gschwend, 5. September 2020, 06:02 Uhr
Das Spielwarengeschäft Zollibolli an der Marktgasse in St.Gallen schliesst Ende September mit einem Räumungsverkauf – ausgerechnet vor dem grossen Weihnachtsgeschäft. Das hat seine guten Gründe, wie der Inhaber erklärt.

Nach über 150 Jahren verschwindet Zollibolli vom St.Galler Bärenplatz. Das mehrstöckige Spielwarengeschäft mit dem charakteristischen roten Hampelmann öffnet am 30. September zum letzten Mal. Gemeinsam mit dem Vermieter konnte sich Inhaber Marcel Amsler darauf einigen, dass der Mietvertrag Ende Oktober ausläuft.

Warum schliesst Zollibolli so kurz vor Weihnachten – der besten Verkaufszeit des Jahres – die Pforten seiner Filiale in der Altstadt? «Das Weihnachtsgeschäft wäre dieses Jahr bei den engen Platzverhältnissen im Haus nicht durchführbar», sagt Amsler auf Anfrage von FM1Today. «Es wäre nicht möglich, die Abstandsregeln einzuhalten.» Die Filialen im Neumarkt und in der Shopping Arena bleiben bestehen, hier gebe es keine Raumprobleme.

50 Prozent Rabatt auf alles

Bereits vor rund zwei Wochen begann der Räumungsverkauf mit vorerst 30 Prozent Rabatt in der Filiale am Bärenplatz, ab sofort wird alle übrige Ware zum halben Preis verkauft. «Wir gehen schwer davon aus, dass das Geschäft am Ende komplett leer sein wird.» Einen Ansturm werde es wohl aber nicht geben, vermutet Amsler. «Das ist kein Vergleich zu Weihnachten. Solche Zahlen erreichen wir momentan nicht.» Die Schutzmassnahmen würden eingehalten.

Für Amsler, dessen Familienbetrieb die Zollibolli-Filialen im Jahr 2011 übernommen hatte, ist die aktuelle Situation nicht einfach. «Wir mussten einen emotional sehr schwierigen Entschluss fällen. Es ist bitter, sowas aufgeben zu müssen.» Es sei aber nicht mehr anders gegangen, die Filiale sei nicht länger finanzierbar.

«Heimelig nützt am Ende nichts»

Als Gründe für die Schliessung nennt Amsler die Coronakrise, die «nicht mehr zeitgemässen» Verhältnisse im Haus und das veränderte Verhalten der Kunden. Die Verkaufsflächen, die Treppen und der Lift sind sehr eng, insbesondere für Familien mit Kinderwagen. «Im Neumarkt und in der Shopping Arena ist es vielleicht nicht ganz so heimelig wie in der Altstadt. Aber wenn ich einen grossen Kinderwagen dabei habe, nützt es mir auch nichts, wenn es heimelig ist.» Die Kunden würden im Neumarkt und in der Shopping Arena ausserdem die direkte Anbindung an den ÖV schätzen. «Sie sind deutlich bequemer geworden. Im weitesten Sinn haben die Kunden entschieden, dass sich eine Weiterführung der Filiale an der Marktgasse nicht mehr lohnt.»

Die zehn Mitarbeitenden können noch mindestens bis Ende Jahr bleiben und die anderen Filialen im Weihnachtsgeschäft unterstützen. Einige – aber wohl nicht alle – werden danach bei Zollibolli weiterbeschäftigt. «Im Worst Case gehen 300 Stellenprozente verloren», sagt Inhaber Amsler.

Darf der Hampelmann bleiben?

Noch ist unklar, was aus dem Haus am Bärenplatz wird. Es wurde auch noch keine Lösung für den roten Hampelmann an der Hausfassade gefunden. «Dieser Hampelmann hat die grösste Diskussion ausgelöst», sagt Amsler. Eine Idee ist, dass die «Sternenstadt» das bekannte Mannli in ihre Weihnachtsdekoration integriert. «Dem stehen wir sehr offen gegenüber, denn der Hampelmann wurde extra für das Haus gebaut und man kann ihn nirgendwo anders vernünftig montieren.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 4. September 2020 12:08
aktualisiert: 5. September 2020 06:02