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Brexit: Äffchen bleibt in Gossau hängen

Angela Mueller, 31. März 2019, 12:29 Uhr
Der ungewisse Brexit lähmt nicht nur die Wirtschaft, auch Zoos sind betroffen. Denn wie schnell nach einem EU-Austritt Tiere wieder wie gewohnt ausgetauscht werden können, ist ungewiss. Im Walter Zoo Gossau dürfte deswegen ein Springtamarin auf die Wartebank geraten.

Flink hüpfen die drei Springtamarine im Tropenhaus vom Walter Zoo die Äste hoch und runter. Eines davon, ein Weibchen, sollte noch diesen Sommer in einen Zoo in Südengland gegen ein Männchen ausgetauscht werden; dies Aufgrund einer Empfehlung des europäischen Erhaltungszuchtprogramms. Der Brexit jedoch, macht die Situation für die Zoos in Europa ungewiss.

Austauschprogramme mit England beschleunigt

In Deutschland haben in den letzten Monaten mehrere Zoos ihre Austauschprogramme mit dem Vereinigten Königreich beschleunigt, um allfälligen Transportproblemen ausweichen zu können. So schickte der Tiergarten Nürnberg kürzlich das Nashorn Sanjay auf die Reise nach Edinburgh in Schottland, wie die deutsche Presseangentur schreibt.

FM1Today/Angela Müller

Tieraustausch in europäischen Zoos

In ganz Europa tauschen Zoos regelmässig untereinander Tiere aus, um die genetische Vielfalt und damit auch die Möglichkeit zur Wiederauswilderung zu erhalten. Auch der Walter Zoo in Gossau. Prominentestes Beispiel ist das Tigermännchen Viktor, der vor fast vier Jahren einzog. Zuletzt wurde 2018 zwei Goldaguti nach England gebracht. «Wie es aber in den nächsten Monaten läuft ist unklar», sagt Zoodirektorin Karin Federer.

Immerhin ist der Austauch der Springtamarine nicht dringend. «Wir warten jetzt einfach mal ab, was passiert.» In der EU blicken die Zoos nicht mit der gleichen Gelassenheit dem Brexit entgegen. Dort war bis anhin der Austausch ohne Zollkontrollen möglich, diese dürften aber früher oder später eingeführt werden.

«Der administrative Aufwand wird bestimmt grösser»

In der Schweiz hingegen ist man den Umgang mit Grenzübertritten gewohnt. «Bereits jetzt ist die Ein- und Ausfuhr mit der Schweiz umständlicher als innerhalb der EU», sagt Federer. Aber klar ist: «Der administrative Aufwand wird bestimmt grösser.»

Die quirlige Springtamarine wird deswegen wahrscheinlich noch etwas länger als geplant bei seinen Gspänli im Walter Zoo bleiben, bis es dann endlich die Reise nach Südengland antreten kann.

Angela Mueller
Quelle: agm
veröffentlicht: 31. März 2019 12:29
aktualisiert: 31. März 2019 12:29