Prozess

Brudermord in Bazenheid: Beschuldigter zu 4,5 Jahren Gefängnis verurteilt

29. Mai 2020, 09:43 Uhr
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Quelle: tvo

In Bazenheid kam es vor zweieinhalb Jahren zu einem tödlichen Streit zwischen zwei Brüdern, dabei ging es um Geld. Am Donnerstag stand der Beschuldigte vor Gericht. Dieser soll in der Vergangenheit von seinem Bruder sexuell missbraucht worden sein. Das Richtergremium verurteilte ihn zu viereinhalb Jahren Gefängnis.

Der Streit zwischen den zwei Brüdern eskalierte im Oktober 2017 im Elternhaus in Bazenheid wegen 8000 Franken, welche das Opfer dem mutmasslichen Täter schuldete. Der heute 31-jährige Beschuldigte ging mit einem Rüstmesser auf seinen Bruder los und verletzte ihn am Hals. Die Stichwunde zuhaltend lief das Opfer zu einer nahe gelegenen Arztpraxis, wo es notfallmedizinisch betreut wurde. Mit dem Rettungsheli wurde der Mann ins Kantonsspital St.Gallen geflogen. Er erlag noch auf dem Weg seinen Verletzungen.

Täter bereut seine Tat

Die Tat ist mittlerweile rund zweieinhalb Jahre her. Am Donnerstag musste sich der mutmassliche Täter vor dem Kreisgericht Toggenburg verantworten. «Der Angeklagte sass fast regungslos im Gerichtssaal», sagt TVO-Reporter Dominik Zulian. Bei den Befragungen habe der Angeklagte kaum geantwortet, er behauptete, sich an vieles nicht mehr erinnern zu können. «Ausserdem sagte der Beschuldigte, dass er die Tat bereue.»

Missbrauchsvorwürfe vor Gericht angezweifelt

Aus der Anklageschrift geht hervor, dass das Opfer seinen Bruder in dessen Kindheit geschlagen und über sieben Jahre sexuell missbraucht hatte. Dies wurde aber vor Gericht von einem der Brüder bestritten. «Diese Taten haben nie stattgefunden», sagte er. Es sei alles gelogen.

Ein psychiatrisches Gutachten stellte beim mutmasslichen Täter zum Tatzeitpunkt mehrere psychische Störungen fest, was als eine schwere Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit zu werten sei. Der Verteidiger forderte einen Freispruch, die Staatsanwaltschaft drei Jahre Gefängnis.

Längere Strafe

Das Urteil fiel härter aus: Das Richtergremium kam zum Schluss, dass der 31-Jährigen nicht aus Notwehr gehandelt habe, und verurteilte ihn zu viereinhalb Jahren Gefängnis. Ihm wird die Untersuchungshaft von 116 Tagen angerechnet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 28. Mai 2020 18:46
aktualisiert: 29. Mai 2020 09:43