Skigebiete

Bündner Regierungsrat will Schnelltests für Reisende – St.Galler Weg bei Skigebieten in der Kritik

Dario Brazerol, 17. Dezember 2020, 10:05 Uhr
Graubünden will seine Skigebiete – hier St.Moritz – offen lassen. (Archiv)
© Keystone
Skigebiete öffnen oder schliessen? Aus den Kantonen gibt es unterschiedliche Antworten auf diese Frage. Während der Skibetrieb im Kanton St.Gallen laut Bruno Damann nach dem 22. Dezember sehr unwahrscheinlich ist, laufen die Lifte in Graubünden weiter. Beide Vorgehensweisen bergen ihre Tücken.

Um den Skigebieten im Kanton St.Gallen nach dem 22. Dezember eine Bewilligung zu erteilen, müsste der Reproduktionswert auf unter 1 sinken. Dass dies passiert, würde an ein Wunder grenzen, wie Bruno Damann gegenüber FM1Today sagte. Gleichzeitig verkündete der Kanton Graubünden am Dienstag, dass die Skigebiete weiter offen bleiben dürfen. Einzig der Bundesrat könnte mit seinen neuen Massnahmen, welche er am Freitag verkündet, eine nationale Lösung unterbreiten.

Bis es soweit ist, sind die St.Galler Bergbahnbetriebe in der Schwebe. Noch wollen weder die Bergbahnen Flumserberg noch Wildhaus die aktuelle Situation kommentieren. Zu viel sei noch nicht klar, und der Bundesratsentscheid von Freitag wolle abgewartet werden. Klaus Nussbaumer, CEO der Pizolbahnen AG, stellt indes den Sinn allfälliger Schliessungen in Frage. «Skigebiete sind keine Treiber der Pandemie. Selbst der ehemalige Leiter des BAG, Daniel Koch, sagte, dass die Gefahr, sich in Skigebieten anzustecken, äusserst gering sei.»

«Ausser Spesen nix gewesen»

Seit dem 11. Dezember sind die Pizolbahnen geöffnet. Die ersten Erfahrungen seien gut, sagt Nussbaumer: «Die Schutzkonzepte werden angenommen. Es haben auch schon erste Kontrollen stattgefunden, welche ohne Beanstandungen verlaufen sind.» Für die Umsetzung der Schutzmassnahmen habe man viel Geld in die Hand genommen, ein genauer Betrag sei noch nicht bekannt. Ausserdem wurden zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. «Wäre dies vergebens gewesen, heisst es ‹ausser Spesen nix gewesen›.»

Auch die Tatsache, dass in der Region Ostschweiz nur im Kanton St.Gallen Schliessungen der Skigebiete vorgesehen sind, sieht Nussbaumer kritisch. «Die Wintersportler weichen somit einfach in die umliegenden Kantone und das Fürstentum Liechtenstein aus. Besser wäre die Gäste zu verteilen.» Neben der Infektionskontrolle müsse die Politik auch die Bedürfnisse der Bevölkerung berücksichtigen. «Die Menschen werden nach aussen drängen – egal, ob die Skigebiete offen oder geschlossen sind. Der Unterschied ist, ob dies in einem kontrollierten oder unkontrollierten Rahmen passiert.»

Graubünden vertraut in Schutzkonzepte

Marcus Caduff, Regierungsrat des Kantons Graubünden ist zuversichtlich, dass das Besucheraufkommen in den Wintertourismusorten bewältigt werden kann: «Die Branche hat effiziente Schutzkonzepte bereitgestellt. Diese müssen vor allem beim Anstehen vor den Liften eingehalten werden.» Dass auch die Liechtensteiner Bahnen nicht geschlossen werden, begünstige die Verteilung der Skitouristen zusätzlich.

Marcus Caduff, Regierungsrat Kanton Graubünden

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Ein weitaus grösseres Problem als der Skibetrieb selbst sei die mit dem Festtagstourismus verbundene Mobilität innerhalb der Schweiz. «Wir gehen davon aus, dass sich die Zahl der Personen im Kanton Graubünden über die Festtage verdoppeln wird. Dies, unabhängig davon, ob die Skigebiete offen sind oder nicht.» Die erhöhte Personenzahl im Kanton sei auch für die überdurchschnittliche Auslastung auf den Intensivstationen der Spitäler verantwortlich – nicht die Skiunfälle. Dies gehe aus einer Analyse der letzten Jahre hervor. «Weil mehr Menschen im Kanton sind, gibt es auch mehr Verkehrsunfälle, Herzinfarkte oder Hirnschläge.»

«Negatives Testresultat für Reisende begrüssenswert»

Aufgrund der erhöhten Mobilität über die Festtage wünscht sich Marcus Caduff, dass die Testkapazität hochgefahren wird. «Ich würde es begrüssen, wenn Reisende ein negatives Testresultat vorweisen. Um dies durchzusetzen, wären wir aber auf die Unterstützung des Bundes angewiesen.» Für Caduff wäre dies eine billigere und wirtschaftsschonendere Variante als ein Lockdown.

Ob der Bundesrat diese Massnahme für ebenso begrüssenswert erachtet wie Marcus Caduff, wird sich am Freitag zeigen. Auch ob den immer lauter werdenden Forderungen nach schweizweiten Schliessungen von Skigebieten nachgegangen wird, ist noch offen. Um es mit den Worten von Alain Berset zu sagen: «Das Virus gibt den Takt vor.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 17. Dezember 2020 09:11
aktualisiert: 17. Dezember 2020 10:05