Preisexplosion

Caritas warnt: «Wir haben Angst, dass sich die Leute wieder verschulden»

8. September 2022, 08:02 Uhr
Das Leben in der Schweiz wird teurer und teurer. Seit dem Kriegsausbruch in der Ukraine steigen die Lebenshaltungskosten massiv an. Momentan geben vor allem die hohen Strompreise zu reden. Mancher kann sich das nicht mehr leisten – das bekommt auch die Caritas zu spüren.

Quelle: TVO

Der Preisschock beim Strom ist enorm. Je nach Wohnort steigt er um ein Mehrfaches. Auch Treibstoff ist seit Kriegsausbruch um einiges teurer und die Krankenkassenprämien werden nächstes Jahr auch ansteigen.

Das Loch im Portemonnaie wird bei allen grösser. Besonders hart trifft es aber jene, die jetzt schon kaum etwas übrig haben Ende Monat. Sie leiden bereits jetzt unter den teureren Lebensmitteln. Doch Philipp Holderegger, Geschäftsführer von Caritas St.Gallen, befürchtet gegenüber TVO, dass das Schlimmste erst noch kommen werde: «Wir haben Angst, dass sich die Leute wieder verschulden.» Man habe dies schon nach der Coronapandemie beobachten können. Die Leute überzogen ihre Kreditkarten bis zum Maximum – und irgendwann sei dann das Budget «tot». Holderegger geht davon aus, dass der Caritas-Laden dann im Frühjahr stärker besucht werde.

Gemeinde noch ohne konkreten Plan

Der Strom-Preisschock lässt sich auch gut an einem Beispiel aufzeigen. Die Gemeinde Niederhelfenschwil verzockte sich am Strommarkt und schloss die Verträge nur für zwei Jahre. Die Hoffnung auf einen günstigen Tarif ging nach hinten los. Die Folge: Ein Preisanstieg um 200 Prozent. Konkrete Massnahmen, um die Bevölkerung zu entlasten, gibt es seitens der Gemeinde noch nicht, aber «dass man das nicht einfach auf sich beruhen lassen kann, ist uns klar», sagt Gemeindepräsident Peter Zuberbühler gegenüber TVO. Man bespreche momentan die weiteren Schritte.

Beim Kanton geht es um Verfügbarkeit

Auch beim Kanton St.Gallen ist die Situation ähnlich. Hier geht es aber um die Versorgungssicherheit. «Uns geht es momentan nicht um den Preis, sondern darum, dass wir genug Strom im ersten Quartal 2023 haben», erklärt Regierungsrätin Susanne Hartmann. Auch beim Kanton blickt man mit Besorgnis auf die Entwicklungen. Man sei in Diskussionen, konkret beschlossen sei aber noch nichts.

Reden ja, handeln nein – so das momentane Signal der Politik. Für die Menschen, die im Caritas-Markt einkaufen, ist dies ein schlechtes Zeichen. «Die Menschen, die jetzt schon am Rand stehen, die keine Reserven haben, die können nicht einfach so 300 Franken einsparen», gibt Philipp Holderegger zu bedenken. Mit der Teuerung wird auch die Armut zu einem immer grösseren Thema. Das zeigt auch ein Blick in die Caritas-Läden. Deren Umsatz ist in diesem Jahr um 25 Prozent gestiegen – ein Hinweis, dass das Geld bei vielen Menschen knapp wird.

(red.)

Quelle: TVO
veröffentlicht: 8. September 2022 05:55
aktualisiert: 8. September 2022 08:02
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