St.Gallen

Contact Tracing: «Allein stehende Personen schätzen die Gespräche»

Dario Brazerol, 4. Juni 2020, 10:59 Uhr
Coronainfizierte und deren Kontaktpersonen erhalten täglich Anrufe vom Contact-Tracing-Team.
© iStock
Im Kanton St.Gallen arbeiten aktuell drei Personen als Contact-Tracer. Ihre Aufgabe ist es, Coronainfizierte und deren Kontaktpersonen über Massnahmen und die Isolation zu informieren.

«Das Kantonsarztamt erhält vom Labor einen positiven Befund auf eine Coronaerkrankung. Dies ist der Auslöser für das Contact Tracing», sagt die stellvertretende Kantonsärztin Karen Peier-Ruser. Aktuell sind im Kanton St.Gallen drei Personen auf Teilzeitbasis als Contact-Tracerinnen und -Tracer im Einsatz. Diese kontaktieren Erkrankte und deren enge Kontaktpersonen, um sie über die Isolation und die weiteren Massnahmen zu informieren.

Als enge Kontaktpersonen gelten jene, welche länger als 15 Minuten in einer Distanz von weniger als zwei Metern Kontakt zu einer erkrankten Person hatten. Dies im Zeitraum innerhalb von 48 Stunden vor Auftreten der Symptome bei der erkrankten Person.

Anrufe werden positiv aufgenommen

«In den ersten zehn Tagen melden sich die Tracerinnen und Tracer täglich bei den allen Betroffenen. Hier ist es wichtig zu erfahren, ob die Symptomatik sich verbessert oder verschlechtert. Bei einer Verschlechterung ist es wichtig, dass sich die Personen in ärztliche Behandlung begeben», sagt Karen Peier-Ruser. Diese Anrufe würden von den Betroffenen mehrheitlich positiv aufgenommen: «Die Anrufe sind auch unter dem Ansatz der Fürsorge zu verstehen. Gerade allein stehende Personen schätzen in der Isolationszeit dieses Gespräch.»

Karen Peier-Ruser, stellvertretende Kantonsärztin, St.Gallen

© karen-peier.ch

Unterbruch wegen zu hoher Fallzahlen

Das Contact Tracing wurde im Kanton St.Gallen bereits zu Beginn der Pandemie eingesetzt wurde aber zwischenzeitlich unterbrochen: «Bei hohen Fallzahlen benötigt das Contact Tracing tatsächlich viel Zeit und personelle Ressourcen, so dass ein kleines Kantonsarztamt schnell an seine Grenzen stösst. Deshalb wurde die Information der Infizierten und deren Kontaktpersonen in dieser Zeit von der Ärzteschaft übernommen.»

Seit der Wiederaufnahme des Tracings am 4. Mai begleitete der Kanton 16 auf das Virus positiv getestete Personen und 32 Kontaktpersonen. Die Methode habe sich bewährt, schreibt der Kanton in einer Mitteilung: «Mehrere mögliche Infektionsketten konnten durch die Kontaktaufnahme unterbrochen werden.»

Mit den Fallzahlen sinken die Kosten

Aufgrund der sinkenden Fallzahlen sind aus dem Pool von 25 eigens für diese Position rekrutierten Tracerinnen und Tracern nur noch drei im Einsatz. Mit den sinkenden Fallzahlen, sinkt auch der finanzielle Aufwand: «Die Kosten für das Contact Tracing hängen von der Anzahl eingesetzter Tracer und der Dauer ab.» Eine Kostenaufstellung könne deshalb erst nach Abschluss des Tracings gemacht werden.

Wann das St.Galler Tracing zu einem Ende kommt, ist aktuell noch offen. Darüber werden das Bundesamt für Gesundheit und die Kantonsärztinnen und -ärzte in gemeinsamer Absprache entscheiden.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 4. Juni 2020 09:14
aktualisiert: 4. Juni 2020 10:59