St.Gallen

Corona und Homeoffice: Häusliche Gewalt nimmt wieder zu

24. März 2021, 11:08 Uhr
Häusliche Gewalt nimmt wieder zu.
© Keystone/Symbolbild
Im Kanton St. Gallen ist 2020 die Zahl der Interventionen der Polizei wegen häuslicher Gewalt erstmals seit zehn Jahren wieder angestiegen. Zu den Auslösern gehörten Geldmangel, enge Wohnverhältnisse, aber auch die Auswirkungen von Corona-Massnahmen wie Homeoffice und Fernunterricht.

In den letzten Jahren musste die Polizei jeweils um die 1050 Mal zu Familien ausrücken. 2020 seien 1185 Polizeieinsätze gezählt worden, heisst es in der Mitteilung der Staatskanzlei vom Mittwoch. Der Anstieg machte sich vor allem in der zweiten Jahreshälfte bemerkbar.

660 dieser Einsätze erfolgten aufgrund eskalierender Konflikte, «die verbal mit Beleidigungen, Anschreien und leichter psychischer Gewalt» begonnen hatten. In 136 Fällen waren gegenseitige Tätlichkeiten der Grund, und bei 389 Interventionen ging es um die Gewalttat eines Familienmitglieds.

Mehr Kinder im Frauenhaus

Angebote wie die Opferhilfe SG-AR-AI, die Beratungsstelle für gewaltausübende Personen und das Frauenhaus St. Gallen hätten ebenfalls eine höhere Auslastung gemeldet. Im 2020 wurden in Frauenhäusern 93 Frauen untergebracht. Das sind acht mehr als im Vorjahr. Zugenommen hat auch die Zahl der Kinder, die in Fraunehäuser kamen. Letzes Jahr waren es 110 Kinder, im Jahr zuvor 79. Das St.Galler Frauenhaus war teilweise überfüllt und immer stark ausgelastet.

Mehr Risikofaktoren im Corona-Jahr

Die Risikofaktoren für die Eskalation von Konflikten und für häusliche Gewalt hätten sich 2020 verstärkt bemerkbar gemacht, heisst es in der Mitteilung. Betroffene berichteten von Geldmangel und engen Wohnverhältnissen und der Schwierigkeit, über längere Zeit gemeinsam im Homeoffice und zeitweise im Homeschooling zu verbleiben.

In schweren Fällen häuslicher Gewalt könne «die durchgehende Anwesenheit der gewaltausübenden Person» eine Kontaktaufnahme bei einer Beratungsstelle oder bei der Polizei verhindern. Vermehrt hätten sich deshalb auch besorgte Nachbarinnen und Nachbarn gemeldet.

Quelle: sda
veröffentlicht: 24. März 2021 10:02
aktualisiert: 24. März 2021 11:08