Gommiswald

Coronaparty im «Älpli»: Vier Personen freigesprochen

3. Juni 2022, 17:52 Uhr
Im März 2021 fand im Restaurant Älpli in Gommiswald ein «Frühlingsfest» mit 80 bis 90 Teilnehmern statt. Vier mutmassliche Anwesende mussten sich am Freitag vor dem Kreisgericht See-Gaster in Uznach verantworten.
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Quelle: tvo

Die drei Fälle, die am Freitag direkt nacheinander im Kreisgericht See-Gaster in Uznach verhandelt wurden, sind sinnbildlich für die Coronapandemie. Plötzlich war sie da und sorgte für viel Aufregung. Genauso schnell war sie wieder aus der Wahrnehmung der Menschen verschwunden.

«Frühlingsfest» mitten in der dritten Welle

Am Freitag standen vier Menschen vor Gericht, die im März 2021 mutmasslich an einem «Frühlingsfest» mit 80 bis 90 Teilnehmern im Restaurant Älpli in Gommiswald teilgenommen hatten. Da sich die Schweiz zu diesem Zeitpunkt gemäss der Covid-19-Verordnung in einer «besonderen Lage» befand, waren Ansammlungen in Innenräumen mit mehr als fünf Menschen verboten und öffentliche Veranstaltungen gänzlich untersagt. Damit machten sich Organisatoren und Teilnehmende strafbar.

Vorträge, Essen und keine Masken

Gemäss eines Zitats aus einem E-Mail des Organisators, das im Strafbefehl enthalten ist, war das Ziel der Veranstaltung, «wieder mol alli zäme eis trinkä und s’lustig ha mitänand». Unter anderem hielt ein Zürcher Werkzeugmacher einen Vortrag über «die Rechte des Bürgers», wobei dieser über keinerlei juristisches Fachwissen verfügte. Für Musik war ebenfalls gesorgt und die Wirtin des «Älpli», die sich, wie auch der Organisator, in einem separaten Verfahren verantworten muss, stellte Speisen und Getränke bereit.

Die Gäste trugen – dem Geist der Veranstaltung entsprechend – keine Masken und auf Abstandsregeln wurde ebenfalls nicht geachtet. Die Polizei war vor Ort, verteilte einige Bussen, verzichtete jedoch darauf, die Feier aufzulösen, um eine Eskalation zu vermeiden.

Wirtin verlor ihr Patent

Der grösste illegale Anlass dieser Art in der Ostschweiz führte zu angeheizten Diskussionen. Auf der einen Seite entrüstete Stimmen, die anprangerten, dass die Polizei die Coronaleugner einfach gewähren liess und somit die öffentliche Gesundheit gefährde, auf der anderen Seite der «Corona-Widerstand», der gegen vermeintlich unrechtmässige Eingriffe in Grundrechte und eine angebliche «Diktatur» des Bundesrats wetterte.

In der Folge entzog die Gemeinde Gommiswald der Wirtin im April dieses Jahres das Patent. Kurz darauf marschierte eine Horde Coronaskeptiker, angeführt von einer Gruppe Freiheitstrychler, in Gommiswald auf und protestierte direkt vor dem Haus des Gemeindepräsidenten Peter Hüppi lautstark gegen den Entscheid. Allerdings war dieser zu dem Zeitpunkt nicht zu Hause.

Keine der Verhandlungen dauerte länger als zehn Minuten

Von all dieser Unruhe war an diesem Freitag nichts mehr zu spüren. Wer das Gebimmel von Trycheln vor dem Gerichtsgebäude und ebenso passionierte wie verfehlte Plädoyers über verletzte Grundrechte und gefälschte Coronastatistiken erwartete, wurde enttäuscht.

Bis auf die obligatorischen Anwesenden und ein bis zwei Begleitpersonen der Beschuldigten blieb der Gerichtssaal während der Verhandlungen leer. Die insgesamt vier Beschuldigten gaben sich allesamt wortkarg und verweigerten die Aussage, verzichteten auf Anträge und gaben an, unschuldig zu sein. So dauerte keine der drei Verhandlungen länger als zehn Minuten – und alle Beschuldigten wurden freigesprochen.

Anwesenheit konnte nicht nachgewiesen werden

Die Begründung des Einzelrichters fiel in jedem Fall gleich aus. Die Anwesenheit der oder des Beschuldigten an der besagten Veranstaltung im «Älpli» in Gommiswald sei nicht zweifelsfrei nachgewiesen. Ihre Namen seien zwar auf einer vermeintlichen Teilnehmerliste aufgetaucht, doch sei diese nicht komplett und zudem nicht «zeit- und ortsnah sichergestellt» worden.

Somit könne allein anhand dieser Liste keine Anwesenheit an der Veranstaltung abgeleitet werden, womit die Beweise nicht für einen Schuldspruch ausreichten.

Die Busse von 100 Franken bleibt den Beschuldigten somit erspart und die Verfahrenskosten von drei Mal 2100 Franken trägt der Staat. Die Staatsanwaltschaft kann innert einer Frist von zehn Tagen Berufung einlegen, womit der Fall ans Kantonsgericht weitergezogen würde.

Das Restaurant Älpli öffnete im Übrigen bereits wenige Wochen nach der Schliessung unter neuer Führung wieder. Die ehemalige Wirtin arbeitet jetzt als Angestellte dort.

Quelle: Tagblatt/Enrico Kampmann
veröffentlicht: 3. Juni 2022 17:51
aktualisiert: 3. Juni 2022 17:52
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