Das «Gschenklädeli» ist bald Geschichte

Sandro Zulian, 25. Oktober 2017, 19:13 Uhr
36 Jahre lang gehörte es zur Stadt St.Gallen, wie der Vadian oder das Kloster. Jetzt hat das letzte Stündlein des «Gschenklädeli» geschlagen: Ab Ende 2017 schliesst der Traditionsladen am Grüningerplatz.

Aruba, Tennessee, Brasilien und Japan. Liest man das Gästebuch des «Gschenklädeli» am Grüningerplatz durch, hat man das Gefühl, jede und jeder habe das schmucke kleine Geschäftchen an der Schmiedgasse schon einmal besucht. Eingebettet zwischen der Traditionsbeiz National, auch genannt «Naz», verschwindet das kleine Lädeli fast im ebenso unscheinbaren Schmittengässchen. Und doch hat es sich fast 40 Jahre lang gehalten.

Pension und Miete

Die Hauptgründe für die Aufgabe des Ladens sind laut Geschäftsführer Kurt Meier schnell erklärt: «Altersgründe. Und: Ich muss nächstes Jahr meine Hüfte operieren.» Der 66-Jährige lacht verschmitzt, wird dann aber schnell wieder ernst. Ein Nachfolger habe sich trotz langen und vielversprechenden Gesprächen mit 60 Bewerbern nicht ergeben. «Etwa ein Dutzend Interessierte hat sich den Laden zwar noch persönlich angesehen. Offenbar haben sie aber gemerkt, dass man eben lang im Laden steht und dabei nicht gewaltig viel verdient.» Ein weiterer Grund ist laut Meier auch der Mietzins. Das sei aber ein Problem der ganzen Altstadt, damit sei er nicht allein.

Kurt Meier im Video-Interview: 

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Enttäuschung und Freude

«Ich hatte Mühe, als wir das Lokal offiziell kündigen mussten», gibt Meier zu. Der gute Kontakt mit ihren Kunden habe Meier und seine Frau ein wenig über den Schmerz hinweg helfen können. «Insofern ist es auch schön, jetzt aufhören zu können», sagt Meier. Seine Kundschaft hingegen nehme die Kunde von der Aufgabe des «Gschenklädeli» allerdings mit mehr Bedauern auf. «Sie fragen sich nun, wo man hier überhaupt noch Souvenirs kaufen kann», sagt Meier.

Der letzte Souvenirladen in St.Gallen

Diese Frage kommt nicht von ungefähr. Ist Meiers Lädeli nämlich Geschichte, gibt es in der UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt St.Gallen keinen einzigen echten Souvenirladen mehr. Mit Ausnahme der kleinen Sortimente der grossen Warenhäuser müsste man schon bald über die Kantonsgrenze reisen, um in den Genuss einer grossen Souvenir-Auswahl zu kommen. Das weiss auch Meier und fügt neckisch an: «Ich mag es den Appenzellern wirklich gönnen, aber wenn man für ein bisschen Auswahl jedes Mal nach Appenzell fahren muss, finde ich das schon ein bisschen schade.»

Schliessen nach 36 Jahren ihren Souvenirladen: Kurt und Elisabeth Meier. (Bild: FM1Today/Sandro Zulian)

Sandro Zulian
Quelle: saz
veröffentlicht: 25. Oktober 2017 17:59
aktualisiert: 25. Oktober 2017 19:13