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St.Galler Stadtpräsidium

Datenskandal: Gabathuler macht Werbung mit «geklauten» Adressen

1. Oktober 2020, 17:57 Uhr
Der St.Galler Kanti-Rektor und Stadtpräsidentschaftskandidat Mathias Gabathuler (53, FDP) hat Adressen mehrerer ehemaliger Kantischüler für seinen Wahlkampf missbraucht. Datenschützer reagieren deutlich.
Mathias Gabathuler entschuldigt sich für den «Fehler».
© Benjamin Manser / St.Galler Tagblatt

Es ist nicht das erste Mal, dass der FDP Stadtrats- und Stadtpräsidiumskandidat Mathias Gabathuler mit seinem Wahlkampf ungewöhnlich aufgefallen ist. Bereits vor einigen Wochen verwendete er unerlaubterweise ein Foto der beiden Künstler-Brüder Frank und Patrik Riklin für seinen Wahlkampf. Die beiden reagierten irritiert, Mathias Gabathuler bat um Entschuldigung.

Daten von ehemaligen Schülern geklaut

Jetzt hat Gabathuler schon wieder einen Grund, um Entschuldigung zu bitten, schreibt das St.Galler Kulturmagazin «Saiten». Er und seine FDP sollen nun sogar Datenmissbrauch betrieben haben. So berichten mehrere ehemalige Kantischüler, dass sie ungewollte Post von ihrem Ex-Rektor im Briefkasten hatten.

Es handle sich dabei um Wahlwerbung, schreibt das Kulturmagazin, dem das Schreiben vorliegt. «Die Konkurrenz ist gross und der Wahlkampf wird intensiv. Kann ich auf Ihre aktive Unterstützung zählen?», soll in dem Brief stehen. Beilagen waren unter anderem auch ein Einzahlungsschein für Gabathulers Unterstützungskomitee.

Auf Nachfrage bei der städtischen FDP heisst es, ein Mitglied des überparteilichen Komitees habe eine gedruckte Broschüre mit Adressen erhalten. Diese wurden hernach abgetippt und zur weiteren Verwendung an das Wahlkampfteam Gabathulers geschickt.

Ehemaligenverein wusste nichts davon

Die FDP rechtfertigt sich und spricht von einem «Übereifer des überparteilichen Komitees». So sei der Ehemaligenverein der Kanti am Brühl weder involiert, noch soll er etwas von den herausgegebenen Adressen gewusst haben.

Und Gabathuler selber? Dieser sagt, es habe zwei Rückmeldungen von ehemaligen Schülern gegeben, die die Wahlwerbung der FDP nicht bekommen wollten. Bei diesen habe man sich entschuldigt. Es sei darüber hinaus auch nicht auf seine Initiative hin geschehen.

Datenschützer sind alarmiert

Gegenüber «Saiten» geben verschiedene Datenschützer der Stadt St.Gallen und auch des Bundes eindeutige Antworten. Es sei nicht zulässig, dass eine politische Organisation die Adressen von Vereinsmitgliedern ohne deren Zustimmung für politische Zwecke verwendet.

(saz)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 1. Oktober 2020 17:57
aktualisiert: 1. Oktober 2020 17:57