Flugzeugunglück Staad

«Der Pilot dachte, das sei die Piste, aber da war nur Wasser»

19. Februar 2021, 19:17 Uhr
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Quelle: tvo

Warum ist am Donnerstag ein 70-jähriger Pilot mit seiner Piper in den Bodensee gestürzt? Experten sind sich einig: Mit seinem Flug ist der Verunglückte ein grosses Risiko eingegangen.

Ansprechbar, aber völlig unterkühlt, ist ein im Tessin wohnhafter Deutscher am Donnerstag aus dem Bodensee geborgen worden. Der Pilot war auf dem Weg von Locarno nach Altenrhein gewesen.

Piper liegt noch am Grund

Während andere Piloten ihre Flüge strichen, wollte der 70-Jährige trotz dicken Nebels auf dem Flugplatz in Bodenseenähe landen. Doch dazu kam es nicht; bei Staad stürzte die zweimotorige Maschine ins Wasser. Noch immer liegt die Piper in einer Tiefe von 80 bis 90 Metern. Polizeitaucher untersuchen, wie die Bergung am besten erfolgen kann.

«Keine Anzeichen einer Notlage»

Unklar ist auch, wie es zu dem Unglück kommen konnte. «Unter Umständen dachte der Pilot, die Piste sei da, aber da war nur Wasser», erklärt sich Philippe Hauser, CEO des Verbands der Flugzeugeigentümer und Piloten, den Vorfall. «Es gibt keine Anzeichen einer Notlage als solche.»

Mehrere Ostschweizer Piloten sagen gegenüber TVO, dass der Pilot mit seinem Sichtflug ein grosses Risiko eingegangen sei. Es werden sogar Vorwürfe laut, der 70-Jährige habe mit seinem Leben gespielt.

Orientierung verloren

Gemäss Sichtschutzregeln sei davon auszugehen, dass ein Absturz nach drei Minuten nicht zu verhindern sei, wenn jemand nichts mehr sehe und die Orientierung verliere, sagt Hauser. Beim People's Airport Altenrhein, wo das Flugzeug als vermisst gemeldet wurde, hiess es, dass ein Flug bei solch schlechten Sichtverhältnissen im Normalfall abgebrochen werde. Es sei unklar, warum der Pilot nicht auf einen nahegelegenen Flugplatz ausgewichen sei.

Die Aufarbeitung und die Bergungsarbeiten werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Es ist nicht der erste Blindflug des Deutschen: Der Pilot soll 2006 für einen Einsatz der Schweizer Luftwaffe gesorgt haben – wegen eines Stromausfalls zwischen Deutschland und Lugano.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. Februar 2021 19:06
aktualisiert: 19. Februar 2021 19:17