«Der Verwaltungsrat kommt mit dem Dampfhammer»

Sandro Zulian, 31. Mai 2018, 22:19 Uhr
Fünf Bettenstationen im Kanton St.Gallen sollen geschlossen werden. Darunter auch jene in Wattwil, die diesen Samstag erst eingeweiht werden soll. Der Vorschlag des Verwaltungsrats der Spitalverbunde des Kantons St.Gallen sorgte heute für Entsetzen. Der Gemeindepräsident von Wattwil, Alois Gunzenreiner ist verärgert.
Herr Gunzenreiner, was war ihre erste Reaktion, als sie von den Absichten des Verwaltungsrats der Spitalverbunde des Kantons St.Gallen erfahren haben?

Im ersten Moment habe ich es ungläubig zur Kenntnis genommen. Man überlegt sich erst, was das genau bedeutet und wird mitunter sogar ein bisschen wütend. Bei mir hat sich ein Déjà-vu-Moment eingestellt, denn diese Situation hatten wir schon einmal. Wir hatten ein 15-jähriges Moratorium hinter uns. Vor vier Jahren sagte dann das St.Galler Stimmvolk ganz klar Ja zu den neuen Spitälern. Und jetzt ist in Wattwil ein Neubau für 50 Millionen Franken realisiert worden, der diesen Samstag eröffnet werden soll. Diese Medienmitteilung heute ist schwer verdaulich.

Können Sie am Samstag überhaupt guten Gewissens die Bettenstation eröffnen?

Das muss der Verwaltungsrat entscheiden, nicht wir. Wir werden bestimmt anwesend sein und die Gelegenheit nutzen, um auf die Situation und deren Absurdität aufmerksam zu machen.

Sie teilen die Meinung des Verwaltungsrats also nicht, wonach dieser Schritt für die Zukunft nötig sein könnte?

Nein. Ich glaube, dass der Verwaltungsrat, wie es schon ein mal der Fall war, mit dem Dampfhammer daherkommt, alles zusammenschlägt und versucht so viel wie möglich zu treffen. Schliesslich sammelt er dann in einem politischen Prozess die Scherben zusammen und versucht, einen Kompromiss zu erreichen. Ich glaube, es gibt andere Lösungen, die es zu prüfen gilt. Ich weiss nicht, warum der Verwaltungsrat zu dieser Erkenntnis gelangt ist.

Der TVO-Beitrag zum Thema

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Wie wichtig ist denn das Spital Wattwil, insbesondere die neue Bettenstation?

Dieses Spital hat für die Grundversorgung der Gesundheit in der Region einen immens hohen Stellenwert. Auch als Arbeitgeber ist es elementar wichtig und dient darüber hinaus als Standortfaktor. Diese Einrichtung kann man nicht einfach über die Klinge springen lassen. Die Gesundheitsversorgung in der Nähe hat immer auch einen Einfluss auf die Arbeitsplätze in der Region.

Der Verwaltungsratspräsident der Spitalverbunde sagt allerdings, dass man den «Spezialfall» Wattwil noch mindestens zehn Jahre offen halten will..

Das ist doch einfach schöngeredet! Man kann doch den Leuten nicht sagen, dass man einen Betrieb schliessen will und hält ihn dann aber doch noch zehn Jahre geöffnet. Wenn man einen Betrieb hat und überall erzählt, man wolle schliessen, laufen einem doch irgendwann die Kunden weg! Das ist schlicht blauäugig und lenkt vom eigentlichen Thema ab.

Sind ihrerseits bereits Massnahmen oder Gegenwehr geplant?

Wir haben heute davon erfahren. Man darf nur schon hinter die Kommunikation des Verwaltungsrats ein dickes Fragezeichen setzen. Man hat die Verantwortung für eine öffentliche Infrastruktur und offenbar hat der Verwaltungsrat keine anderen öffentlichen Partner. Dass man so etwas über die Medien verlauten lässt, spricht Bände. Sie können davon ausgehen, dass wir die Situation analysieren werden. Es wird eine Reaktion unsererseits geben, das liegt auf der Hand.

Das Interview führte Lara Abderhalden.

(saz)

Alois Gunzenreiner - Gemeindepräsident Wattwil (Foto: Tagblatt)
Alois Gunzenreiner - Gemeindepräsident Wattwil (Foto: Tagblatt)

Sandro Zulian
veröffentlicht: 31. Mai 2018 21:45
aktualisiert: 31. Mai 2018 22:19