St.Gallen

Deshalb kann Manuel Stahlberger mit seinem Zeigefinger hören

Nico Conzett, 26. Oktober 2020, 10:14 Uhr
Werbung

Quelle: FM1Today / Lena Rhyner

Von «Geschichten, die es verdienen, erzählt zu werden» singt Manuel Stahlberger in seinem neuen Album «I däre Show», welches er vor kurzem veröffentlicht hat. Der St.Galler spricht im Interview mit FM1Today über sein neuestes Werk.

Manuel, die Plattentaufe im Palace in St.Gallen für dein neues Album und einige Kurzauftritte stehen an. Wie gross ist deine Vorfreude?

Manuel Stahlberger: Im Moment ist es vor allem eine Freude, dass man überhaupt auftreten kann. Ich freue mich sehr, auf Tour zu gehen, auch wenn es in diesem Jahr ein bisschen weniger ist als sonst. Ich schätze, jetzt muss man halt meine Platten kaufen, um mich zu unterstützen.

Gibt es bereits wieder Bedenken, dass die Tour nicht wie geplant stattfinden kann?

Offizielle Bedenken gibt es eigentlich nicht, es sind einfach einzelne Konzerte abgesagt. Stand jetzt findet die Tour statt, halt mit weniger Leuten und Abstand und solchen Sachen. Aber daran habe ich mich mittlerweile gewöhnt.

Fühlen sich die Auftritte im Moment anders an als sonst?

Während der Shows ist es super. Corona ist momentan so ein Riesenthema, aber die Auftritte fühlen sich an wie eine Art geschützte Insel, wo man das Ganze für ein, zwei Stunden vergisst. Und ich finde, es funktioniert gut. Die Leute wissen ja auch, worauf sie sich einlassen, wenn sie mit Masken im Publikum sitzen müssen.

Sprechen wir über dein Album. Was möchtest du mit deinen Songs bei den Leuten auslösen?

Ich will eigentlich nicht etwas Bestimmtes in den Leuten auslösen, sondern Geschichten von Leuten erzählen, die in mir etwas auslösen. Oft geht es um Geschichten von Menschen und Konstellationen, die ich spannend finde und die es verdient haben, erzählt zu werden. Was die Leute dann damit machen, ist sehr unterschiedlich.

Es gibt also keine Message, die du rüberbringen möchtest?

Nein, Message in diesem Sinne nicht. Aber es ist mir natürlich auch nicht scheissegal, was für eine Geschichte es ist. Meine Geschichten bedeuten mir alle etwas, manchmal hat es mehr mit mir selbst zu tun, mal weniger. Oft verarbeite ich persönliche Erlebnisse weiter und mache eine Geschichte daraus.

Deine Songs handeln oft von alltäglichen, einfachen Konstellationen und Leuten. Beziehen sich einige Texte auch auf dich selbst?

Ich kann nachvollziehen, wie sich die Leute fühlen und es betrifft manchmal auch eine kleine Facette meines Lebens. Um mich selbst geht es aber selten. Ich finde aber oft Inspiration in persönlichen Erlebnissen oder Erinnerungen.

Hast du ein Beispiel?

Beim Song «Loch im Augelid» gibt es ein autobiografisches Element. Als kleiner Bub habe ich mir in der Schule beim Basteln einmal mit einem Messer das «Fingerbeeri» abgeschnitten. Diese Haut hat niemand mehr gefunden und dann hat mir ein Chirurg ein bisschen Haut hinter dem Ohr wegoperiert, weil man es dort nicht sieht. Ich habe zwar immer noch den Verdacht, dass es sonst einfach nachgewachsen wäre. Aber wie auch immer, er hat mir das dann auf den Finger transplantiert, wo ich jetzt ein bisschen Ohrenhaut habe. Und natürlich kann ich jetzt auch hören mit dem Zeigefinger. Das Lied hat jetzt nicht mehr viel damit zu tun, aber dieses Erlebnis war der Anlass dafür.

Hast du einen Lieblingstrack auf dem Album?

Nein, es gibt viele, die mir gefallen und ich finde es ein gutes Album. «Loch im Augelid» finde ich cool, der Fussballsong «S erschte Mol» gefällt mir auch, weil er poppig ist und auch den ersten Song, in dem es um meine Geburt geht, finde ich gut. Aber ich könnte mich jetzt nicht auf einen Lieblingstrack festlegen.

Nico Conzett
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 25. Oktober 2020 17:45
aktualisiert: 26. Oktober 2020 10:14