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Gastro St.Gallen

«Die Gastrobranche hält einmal mehr vollumfänglich den Kopf hin»

Mauro Lorenz, 9. September 2021, 18:56 Uhr
Gastroverbände im FM1-Land reagieren mit gemischten Gefühlen auf den Entscheid des Bundesrats, die Zertifikatspflicht auszuweiten. Von Zuspruch bis Unverständnis ist alles enthalten. Nur überrascht ist keiner.
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Quelle: tvo

Ab Montag gilt in Restaurants und in Bars die Zertifikatspflicht. Für die Gastroverbände im FM1-Land kommt dies wenig überraschend. «Ich hätte es lieber erst in zwei oder drei Wochen gehabt, aber wir haben damit gerechnet», sagt Franz Caluori Präsident Gastro Graubünden.

Uneinigkeit über Konsequenzen

Der Bündner unterstützt den Entscheid des Bundesrats: «Es ist der richtige Schritt. So können wir hoffentlich auch im Winter vollumfänglich offenbleiben.» Das schlimmste für den Wirten wäre eine erneute Schliessung gewesen, diese kann mit der Zertifikatspflicht umgangen werden. «Vielleicht werden wir am Anfang weniger Gäste haben. Später rechne ich aber nicht mit Einbussen. Wir müssen schliesslich die Abstände nicht mehr einhalten, was uns erlaubt mehr Kundinnen und Kunden zu bedienen», sagt Caluori.

Anders klingt es bei Gastro St.Gallen. Präsident Walter Tobler sagt: «Was mich stört ist, dass wir einmal mehr die Einzigen sind, die leiden. Dort wo die meisten Ansteckungen geschehen, also in Familienkreisen, im ÖV oder auch im Arbeitsumfeld passiert nichts.» Auch rechnet er mit einem grossen finanziellen Verlust in den kommenden Wochen, denn laut Tobler habe eine Umfrage von GastroSuisse ergeben, dass mit bis zu 40 Prozent Ausfällen zu rechnen sei. Darum ist der Fall für den Wirten klar: «Die Gastrobranche hält einmal mehr vollumfänglich den Kopf hin.»

Aufwand überschaubar

Einig sind sich die beiden Gastro-Präsidenten in Bezug auf den Aufwand, der durch die Zertifikats-Überprüfungen entsteht. «Die Umsetzung ist überschaubar», sagt Walter Tobler. Der Bund hat eigens für diese Überprüfung eine eigene App entwickelt. Diese kann problemlos auf jedem Smartphone installiert werden. Dazu braucht es keine Anmeldung oder Freigabe, nur eine funktionierende Kamera, mit welcher man das Zertifikat scannen kann. «Ich habe heute die App runtergeladen und habe es probiert. Es scheint für mich problemlos zu funktionieren», sagt Franz Caluori. Laut Bundesrat können die Restaurants entweder am Eingang oder auch erst am Platz die Zertifikate überprüfen.

Erfahrungswerte aus Deutschland und Österreich

Unsere Nachbarn haben bereits Erfahrungen gesammelt, was die Zertifikationspflicht betrifft. In Österreich und grossen Teilen Deutschlands gilt diese bereits seit Wochen. Gastronomen berichten im deutschen Bundesland Baden-Württemberg von einem generell reduzierten Gästepotenzial, schreibt das «St.Galler Tagblatt». Vor allem Spontanbesuche würden ausbleiben. Allerdings bringe die Regelung Lockerungen bei der Nutzbaren Kapazität mit sich, was die Planungssicherheit für Gäste und Betriebe erhöhe und sich somit positiv auf die Umsätze auswirken könne.

Auch im Vorarlberg gilt die Zertifikatspflicht. Dort funktioniere diese sehr gut mit Ausnahme der Nachtgastronomie, sagt Hannes Jochum, der für die Gastronomie zuständige Geschäftsführer der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Finanzielle Einbusse habe es nicht gegeben. Allerdings würden weniger Gäste aus der Schweiz in den Vorarlberger Gastrobetrieben einkehren.

«Verweigerer werden weggewiesen»

Der Büdner Franz Caluori ist der Meinung, dass man sobald sich die neuen Regelungen rumgesprochen haben, keine Leute ohne Zertifikat mehr in den Restaurants antreffen wird: «Klar wird es Einzelfälle geben, die versuchen zu bescheissen, aber die meisten werden sich daran halten.» Ausserdem würden die Wirtinnen und Wirte die meisten ihrer Gäste kennen und so könne man sich schnell merken, wer geimpft ist und wer nicht. «Verweigerer werden weggewiesen. Wenn nicht, drohen dem Gast und dem Betrieb Bussen», präzisiert der Präsident von Gastro Graubünden.

Abschliessend sei es für Caluori besser jetzt zu reagieren, als wie im letzten Herbst erst zu spät: «Ich hoffe wir erreichen möglichst schnell eine Impfquote von 65 bis 70 Prozent. Das ist der einzige Weg.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 9. September 2021 16:44
aktualisiert: 9. September 2021 18:56