Die Korruptionsspur führt nach St.Gallen

René Rödiger, 19. Juli 2017, 12:01 Uhr
Angel Maria Villar Llona hat sich im Laufe der Jahre viel Macht verschafft.
Angel Maria Villar Llona hat sich im Laufe der Jahre viel Macht verschafft.
© Richard Heathcote/Getty Images
Gestern Dienstag ist der spanische Fifa-Funktionär Angel Maria Villar Llona festgesetzt worden. Die Spur von Korruption und Unterschlagung im Verband führt auch nach St.Gallen.

Angel Maria Villar Llona ist eine Institution im Weltfussball. Seit 1988 präsidiert er den spanischen Fussballverband, 1992 wurde er Mitglied des Uefa-Exekutivkomitees, 1998 Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees und er leitete lange Zeit die Justiz- und Schiedsrichter-Kommission der Fifa. Nach der Suspendierung Michel Platinis führte er für einige Monate die Uefa.

Nicht weniger einflussreich ist sein Sohn Gorka, der insbesondere in Südamerika tätig ist. Lange Zeit war er Generalsekretär des südamerikanischen Verbandes Conmebol. 2016 musste er zurücktreten, alle seine drei ehemaligen Präsidenten sind in US-Haft. Gorka wird in Uruguay per Haftbefehl gesucht, ihm werden Erpressung, Aktenvernichtung und Unterschlagung vorgeworfen.

Bestechungsgelder aus Freundschaftsspielen

Die spanische Polizei hat im Zuge der «Operation Soule» ein grosses Korruptionsnetz aufgedeckt. Im Visier stehen insbesondere zwei Freundschaftsspiele kurz vor der Euro 2016 in Frankreich: Die Partie der Spanier gegen Bosnien (3:1) in St.Gallen Ende Mai und das Spiel gegen Südkorea (6:1) Anfang Juni in Salzburg.

Von den Freundschaftsspielen in St.Gallen und Salzburg soll Gorka Villars Firma «Sports and Advisers» finanziell profitiert haben. Aus diesem Geld seien Millionen an lokale Fussballfunktionäre gegangen, damit die Wiederwahl Angel Maria Villars gesichert ist.

Schiedsrichter bestochen?

Mit der Festsetzung von Vater und Sohn Villar könnten noch viele weitere krumme Deals ans Tageslicht kommen - unter anderem rund um die WM-Vergaben an Russland (2018) und Katar (2022). Villar war damals zuständig für die Bewerbung Spaniens und Portugals. Der Chef der englischen Bewerbung, Lord David Triesman, behauptete, dass Villar mit den Russen einen Deal mache. Russland und Spanien würden die Schiedsrichter bestechen, damit Spanien 2010 in Südafrika Weltmeister werde. Im Gegenzug sorge Villar dafür, dass Spanien die WM-Bewerbung zurückziehe und Russland unterstütze. Bei einer Untersuchung des Ethikkomitees der Fifa zu diesen WM-Vergaben verweigerte Villar jegliche Mitarbeit und wurde zu einer Geldbusse von 25'000 Franken verurteilt. Vielleicht sind ja Vater und Sohn Villar bei der «Guardia Civil» ein bisschen gesprächiger.

René Rödiger
Quelle: red.
veröffentlicht: 19. Juli 2017 12:00
aktualisiert: 19. Juli 2017 12:01