Labore am Anschlag

«Die Materialien für Corona-Tests werden in der ganzen Schweiz knapp»

Nico Conzett, 28. Oktober 2020, 05:31 Uhr
Testmaterialien können ab nächster Woche gesamtschweizerisch knapp werden.
© Keystone (Symbolbild)
Wer sich auf das Coronavirus testen lässt, muss momentan bereits bis zu drei Tage auf das Ergebnis warten. Richtig prekär könnte die Situation nächste Woche werden, warnt Willi Conrad vom Schweizer Verband medizinischer Laboratorien. Die Wartezeiten werden wohl noch länger.

Dem Kanton Thurgau fehlen die Tests und dem Kanton St.Gallen das Personal, um der enormen Nachfrage nachzukommen (FM1Today berichtete): Die Corona-Tests sorgten bereits letzte Woche für Probleme. Nun drohen die Laboratorien, die die Tests auswerten, an die Grenzen zu stossen.

«Extrem hohes Probenaufkommen»

Da sich das Coronavirus aktuell wieder stark verbreitet, lassen sich sehr viele Leute testen. «Es dauert momentan bis zu drei Tage, bis das Ergebnis vorliegt», heisst es in einem Schreiben einer St.Galler Arztpraxis an eine getestete Person: Verantwortlich dafür sei das «extrem hohe Probenaufkommen in Schweizer Testlaboren.»

Doch die jetzige Situation könnte nur der Anfang sein. Willi Conrad, Präsident des Schweizer Verbandes der medizinischen Laboratorien, sagt: «Es ist nicht bei allen so, aber die meisten Laboratorien in der Schweiz arbeiten momentan an der absoluten Kapazitätsgrenze.»

Zudem ist damit zu rechnen, dass der Testbedarf noch weiter ansteigt. Es sei davon auszugehen, dass bereits nächste Woche die Tests nicht mehr innert nützlicher Frist ausgewertet werden können und dass Patienten länger auf ihre Ergebnisse warten müssen.

Kommt die Schweiz im internationalen Markt zu kurz?

«Es ist nicht nur eine Frage des Personals, sondern auch banaler Materialien wie Reagenzien und Abstrichstupfer, welche wir für die Tests benötigen. Diese werden langsam knapp», erklärt Conrad. Problematisch ist in dieser Hinsicht, dass es einen internationalen Markt gibt, über welchen die Tests und die dafür benötigten Materialien erworben werden müssen. «Die Schweiz spielt in diesem Verteilmarkt mit ihren acht Millionen Einwohnern natürlich keine eine grosse Rolle», so Conrad.

Willi Conrad, Präsident des Schweizer Verbands der medizinischen Laboratorien

© bioanalytica.ch

Was kann man tun, um zu verhindern, dass die Testkapazitäten völlig gesprengt werden? Bevor man direkt zum Arzt geht, um sich testen zu lassen, sollte man gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) zuerst den Coronavirus-Check machen. Dieser gibt im Anschluss Empfehlungen ab, wie man weiter verfahren sollte und ob ein Corona-Test sinnvoll ist. So kann man verhindern, dass man sich unnötig testen lässt und somit den Arztpraxen und Testlaboren unnötige Arbeit aufhalst.

Wer sich testen lässt und auf das Ergebnis warten muss, muss sich gemäss BAG in Selbstisolation begeben und damit alle Kontakte zu anderen Menschen vermeiden – egal wie lange es dauert, bis das Ergebnis vorliegt.

Am Mittwoch informiert der Bundesrat über neue Massnahmen, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Nur schon punkto Testkapazität wäre es wichtig, dass dies möglichst rasch gelingt.

Nico Conzett
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 28. Oktober 2020 05:31
aktualisiert: 28. Oktober 2020 05:31