Häggenschwil

Die Ochsen-Wirte suchen verzweifelt einen Koch

17. Januar 2020, 08:24 Uhr
Rosmarie und Sepp Egger wirten seit fünf Jahren im Ochsen
© Tagblatt / Ralph Ribi
Eigentlich läuft es gut in der letzten Dorfbeiz von Häggenschwil. Die Wirte haben Freude an der Arbeit, das Lokal ist immer gut gefüllt. Es fehlt nur der Koch. Wenn keiner gefunden wird, müssen die Wirte aufhören.

Chauffeure, Stromer, Pensionierte, Staplerfahrer: Der Ochsen in Häggenschwil ist ein Lokal fürs Volk. 15 Franken kostet das Mittagsmenu, dafür bekommt man ein zünftiges Stück Fleisch, dazu Suppe und Salat. Fragt sich nur: Wie lange noch?

Das Wirtenpaar Rosmarie und Sepp Egger sucht seit längeren verzweifelt nach einem Koch. Derzeit hilft ihnen ein 21-Jähriger Koch aus Häggenschwil aus, er verlässt das Land jedoch bald Richtung Grossbritannien. Auch davor hatten sie kein Glück. Die alte Köchin erkrankte, der folgende hatte psychische Probleme. 

Auf sich allein gestellt

Zwischendurch ist der Ochsen ein Einfraubetrieb. Rosmarie Egger muss kochen, putzen, servieren, aufräumen und das Büro machen. «Ich stand oft 16 Stunden am Tag im Restaurant», sagt sie gegenüber dem Tagblatt. Am Abend löste sie ihr Mann Sepp ab, er ist pensionierter Landwirt. 

Die Aufteilung des Tages ist wichtig: Morgens um 9 Uhr kommen die Arbeiter für Kaffee und Wienerli, Abends treffen sich die Vereine im Ochsen. Die 80 Plätze des alt-ehrwürdigen Lokals sind oft alle besetzt. Es läuft eigentlich gut im Ochsen, den es schon seit über 400 Jahren gibt. Das war nicht immer so.

Die Vorgänger hatten es nicht im Griff

Einer von Eggers Vorgängern hatte einen Hang zum Alkohol und nutzte den Ochsen vor allem, um mit seinen Freunden zu trinken. Ein anderer weigerte sich, Pommes frites anzubieten - laut Rosmarie Egger auf dem Land ein No-Go.

Es dauerte nicht besonders lang, das Lokal mit den dunkelgrünen Täferwänden und den Biedermeierstühlen wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Schwieriger fiel es den heutigen Wirten fast, die Erlaubnis dafür zu bekommen. 

Vor fünf Jahren kaufte die Gemeinde Häggenschwil den Ochsen (TVO berichtete). Rosmarie Egger servierte früher sonntags als Hobby und hegte schon lange den Traum, selbst einmal zu Wirten. Sie bewarb sich für die Stelle, mit geringer Aussicht auf Erfolg. Auch ihr Mann machte sich lustig: «Die wollen doch nicht so eine alte Babe».

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Quelle: TVO

Er hatte nicht ganz unrecht. Die Gemeinde hätte ein jüngeres Wirtepaar bevorzugt. Es fand sich aber keines, weswegen die 62-jährige Rosmarie Egger den Ochsen doch übernehmen konnte. Nun ist sie selbst in der Situation, kein geeignetes Personal zu finden. «Köche sind in der Schweiz seltener als Astronauten», sagt sie. 

Es ist nicht so, dass Rosmarie Egger die Arbeit scheuen würde. Die ist sie sich vom Bauernhof und der Erziehung der vier Kinder gewohnt. Doch die Mehrfachbelastung ohne gelernten Koch wird ihr zu viel. Im Moment lebt sie im Ochsen noch ihren Traum. Ohne helfende Hände wird das aber nicht so bleiben. 

(thc) 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 17. Januar 2020 08:21
aktualisiert: 17. Januar 2020 08:24