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St.Gallen

«Die Stadt war pumpegnaglet voll» – Polizei prüft Massnahmen

Laurien Inauen, 18. Mai 2020, 13:23 Uhr
In Scharen strömten die St.Gallerinnen und St.Galler am Wochenende in die Innenstadt, um die Aufhebung des Lockdowns zu feiern. Bislang setzte die Stadtpolizei auf Sensibilisierung – doch das könnte sich aufs Auffahrtswochenende hin ändern.

Auswärts essen und in den Ausgang gehen – das ist nach dem rund zweimonatigen Lockdown wieder möglich. Den St.Gallerinnen und St.Gallern war am Samstag deutlich anzumerken, wie sehr sie sich auf diesen Lockerungsschritt gefreut hatten. Vor verschiedenen Beizen bildeten sich Schlangen.

«Die Stadt war pumpegnaglet voll», sagt Ruedi Gamper, Inhaber der Süd Bar am Oberen Graben, gegenüber FM1Today. «Ich kam mir vor wie ein Gastgeber an einem Ferienort in Italien oder Spanien. Irgendwann war ich nur noch dabei, Tische zuzuweisen.»

Platz für rund 100 Gäste – drei heimgeschickt

Das Schutzkonzept der Gastronomie sieht vor, dass an jedem Tisch nur vier Personen sitzen dürfen und sich dazwischen zwei Meter Abstand befinden müssen. Während sich in der Süd Bar normalerweise Person an Person reiht, finden drinnen aktuell nur noch 28 Gäste Platz, weitere 70 Plätze gibt es auf der Terrasse.

«Die Leute standen an, um sich hinsetzen zu können, sobald ein Platz frei wurde», sagt Gamper. Die meisten Gäste hätten verständnisvoll auf diese Wartezeit reagiert. «Sie standen genug weit weg von mir. Ich konnte allerdings nicht kontrollieren, ob sie beim Anstehen auch untereinander Abstand hielten.» Bei fortschreitender Zeit und höherem Alkoholpegel musste Ruedi Gamper drei Gäste heimschicken, die sich nicht an die Regeln halten wollten. «Das waren aber nur drei von rund hundert Leuten», bilanziert der Chef der Süd Bar. Auf zwei A4-Seiten habe eine Vielzahl der Gäste ihre Kontaktdaten angegeben, eine weitere Auflage des Schutzkonzeptes.

Sensibilisierung statt Bussen

Die St.Galler Stadtpolizei verteilte über das ganze Wochenende keine einzige Busse, weil sich Personen nicht an die Corona-Verordnung des Bundes hielten, wie Mediensprecher Dionys Widmer auf Anfrage sagt. Auch die Demonstranten, die sich am Samstagnachmittag am Bahnhof versammelten, wurden lediglich abgemahnt. «Wir legten unseren Fokus darauf, die Leute sehr aktiv zu sensibilisieren», sagt Widmer.

Sechs Gastwirte wurden angezeigt, weil sie länger aufhatten, als es die Schliessungszeiten des Bundes zwischen 24 und 6 Uhr vorschreiben, gebüsst wurden sie jedoch nicht. «Unsere Patrouillen beobachteten, dass auch nach Mitternacht noch sehr viele Personen in der Innenstadt anzutreffen waren», sagt Widmer. Auch am Nachmittag sei die Altstadt gut gefüllt gewesen, da hätten sich die Leute aber immerhin bewegt, so der Polizeisprecher.

Sperrung der Partygassen?

Eine Arbeitsgruppe prüfe nun, ob in den Ausgangsmeilen auf das lange Auffahrtswochenende hin weitere Massnahmen nötig seien. Einen Entscheid ist diesbezüglich am Mittwoch zu erwarten. Bussen sind laut Widmer eine Möglichkeit, oder auch Sperrungen von Gassen. «Das wäre eine politische Entscheidung und die letzte Massnahme, wenn sonst nichts nützt.»

«Leere Strassen waren heftig»

Ruedi Gamper ist zufrieden mit dem ersten Wochenende seit den Lockerungen. «Zu sehen, dass die Stadt wieder lebt, war schön.» Während des Lockdowns hatte Gamper einen Lieferdienst eingeführt. «Es war schon heftig, dass ich beim Ausliefern am Samstagabend die Strassen praktisch für mich hatte.»

Und auch wenn der Beizer noch nicht so viele Gäste begrüssen kann wie vor der Coronakrise, sagt er: «Es lohnt sich immer, aufzumachen. Das ist auch eine Dienstleistung gegenüber den Stammgästen, die ich erbringe.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 18. Mai 2020 13:04
aktualisiert: 18. Mai 2020 13:23