«Die Tiere sind gescheiter als wir»

Laurien Gschwend, 4. Januar 2018, 17:23 Uhr
Regula Signer, Wärterin im Wildpark «Peter und Paul» in St.Gallen, sass am Mittwoch wie auf Nadeln: Sturm «Burglind» entwurzelte Bäume und beschädigte die Gehege. Die Rothirsche wären beinahe geflohen.

«Wir hatten grosses Glück, dass die Rothirsche nicht ausgebüxt sind», sagt Regula Signer einen Tag nach dem Sturm. «Burglind» wütete so stark, dass Bäume auf die Zäune stürzten. Zwei Bäume fielen auf das Aussengehege der Rothirsche, was den Tieren einen freien Zugang nach draussen verschaffte. «Sie sind vermutlich nicht abgehauen, weil ihnen das Gehege als Lebensraum vertraut ist. Zudem blockierten Tannen den Ausgang.»

Die Ortsbürger hätten die Baumstrünke weggeräumt und den Zaun provisorisch verschlossen. Im Gehege der Sikahirsche seien zwei Tore durch heruntergestürzte Bäume zerstört worden. «Im Lauf der nächsten Wochen werden diese repariert», sagt Parkwärterin Signer. Sie kann noch nicht sagen, wie hoch die Schadenssumme ausfällt.

Tiere wissen, was zu tun ist

Laut Regula Signer wurden im «Peter und Paul» trotz heftiger Böen keine Tiere verletzt. «Sie sind viel gescheiter als wir und merken, wo sie hingehen müssen, wenn es stürmt.» Ein Hirsch stelle sich beispielsweise auf das freie Feld. «Ich habe noch nie gehört, dass einem Tier wegen starker Winde etwas passiert», meint Signer, deren Ehemann vor einem Jahr pensioniert wurde. Anders war es am Mittwoch im Tierpark Goldau: Ein Kranich wurde von einem Baum erschlagen.

Wildparkhüterin Regula Signer (Bild: Tagblatt/Urs Bucher)

Es gebe wenige Massnahmen, die man vor einem Sturm wie «Burglind» treffen könne, erklärt die Wärterin. «Das einzige, was wir tun können, ist die Wege für die Besucherinnen und Besucher mit Bändern abzusperren.» Dies habe sie am Mittwoch jedoch nicht gemacht. «Niemand kam in den Wildpark. Die meisten sind vernünftig genug, bei solchen Bedingungen nicht im Wald spazieren zu gehen.» Etwa einmal im Jahr fälle ein Förster die gefährlichen Bäume. «Gestern war es aber so, dass auch völlig gesunde Bäume umgefallen sind.»

«Komisches, unruhiges Gefühl»

Regula Signer arbeitet seit über 20 Jahren im «Peter und Paul». Mit ihren Tieren hat sie schon so manchen Sturm erlebt - zum Beispiel «Lothar» im Dezember 1999, als das Rothirsch-Gehege ebenfalls beschädigt wurde. «Ich sitze jeweils wie auf Nadeln», sagt die St.Gallerin. Sie habe in solchen Situationen ein «ganz komisches, unruhiges Gefühl». «Man kann nur hoffen, dass nichts passiert.»

Laurien Gschwend
Quelle: lag
veröffentlicht: 4. Januar 2018 17:23
aktualisiert: 4. Januar 2018 17:23