Spitalstrategie

«Diese Entwicklung ist schon lange überfällig»

Krisztina Scherrer, 24. Oktober 2019, 10:54 Uhr
Die St.Galler Regierung hat sich für die «4plus5»-Spitalstrategie entschieden, das heisst, dass fünf der neun Spitäler geschlossen werden. Gesundheitsökonom Tilman Slembeck hat Verständnis für die Entscheidung, wie er im Interview mit «Schweiz aktuell» sagt.
Das Spital Walenstadt soll geschlossen werden.
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Im Zuge der neuen Spitalstrategie soll St.Gallen nur noch vier Spitäler an den Standorten St.Gallen, Wil, Uznach und Grabs haben. Die Standorte Rorschach, Flawil, Wattwil, Walenstadt und Altstätten sollen bis bis 2028 geschlossen werden und zu Gesundheits- und Notfallzentren umgenutzt werden. 

«Es ist notwendig»

Während die Gemeinden und Regionen nur wenig Verständnis für die Schliessung ihrer Spitäler haben, sagt Gesundheitsökonom Tilman Slembeck gegenüber «Schweiz aktuell»: «Diese Entwicklung ist schon lange überfällig. Ich verstehe, wenn die Bevölkerung etwas verunsichert ist, aber es ist absolut notwendig.»

Qualitativ bessere Versorgung

Der Gesundheitsökonom erwarte von der neuen Strategie eine qualitativ bessere Versorgung, auch wenn der Anfahrtsweg zum nächsten Spital länger wird. «Ich denke, es ist durchaus zumutbar, dass man eine halbe Stunde in ein Spital fahren kann, wenn es denn kein Notfall ist.»

Der Gesundheitsökonome Tilman Slembeck äussert sich zur Spitalstrategie der St.Galler Regierung.

© zhaw.ch

Kooperation mit Privaten vertiefen

Auch die Vorschläge, das Spital Flawil zu privatisieren und in Wattwil ein kleines stationäres Angebot im Bereich Akutgeriatrie und Sucht aus dem Spital zu machen, hat die Regierung nicht überzeugt. «Was mir noch nicht so ganz klar ist, ist wie weit man die Private einbezieht. Bei der Notfallversorgung kann man durchaus auch überlegen, ob man dies auch Privat organisiert. Wir haben zum Beispiel eine Rega, welche Notfälle hervorragend behandelt», so Slembeck. Man müsse sich deshalb überlegen, ob man die Kooperation mit Privaten nicht vertiefen oder ausweiten möchte. 

«Überkantonale Koordination und Kooperation fehlt»

«Ich denke, letztlich sind alle Kantone auf diesem Weg», sagt Sembeck. Die Konzentration führe sowohl zu tieferen Kosten als auch zu besserer medizinischer Qualität. Seit Jahren fehlt den St.Galler Spitälern das Geld, um ihre Gebäude, ihr Mobiliar und medizintechnische Apparaturen zu erneuern. «Das, was im Moment nicht so gut ist, ist dass momentan die überkantonale Koordination und Kooperation fehlt.» Er hoffe, dass die anderen Kantone dies besser machen und die Spitalplanung und stationäre Planung nicht an der Kantonsgrenze ende. 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 24. Oktober 2019 10:50
aktualisiert: 24. Oktober 2019 10:54