Toggenburg

Dieser 17-Jährige macht seine eigenen Schnupfmaschinen

Lara Abderhalden, 22. November 2019, 06:20 Uhr
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Quelle: zVg

Billig und «nicht so schön» findet Sandro Moser aus Ebersol im Toggenburg die Schnupfmaschinen, die es auf dem Markt gibt. Deshalb schreinert der 17-Jährige seine eigenen. Eigentlich nur für sich selbst, nur haben nun so viele Menschen Freude am Schnupftisch aus Holz, dass daraus ein Business werden könnte.

Ein kleines hölzernes Löffelchen ruht in einer Holzschale neben einer Platte mit zwei kleinen Löchern. Eine Art Miniatur-Windmühle aus Holz bringt einen Dachshaarpinsel ins Rotieren. Harmlos, wie eine Art Puppenhaus, wirkt Sandro Mosers Schnupfmaschine, die im Aufenthaltsraum seines Arbeitgebers in Wattwil steht. Sandro Moser zieht eine kleine Schublade hervor, die an der Schnupfmaschine befestigt ist: «Das ist das Schnupf-Aufbewahrungsfach. Das habe ich als letztes hinzugefügt.»

Der 17-Jährige sucht nach einer Dose Schnupf, kann aber keine finden: «Bei der Arbeit ist das Schnupfen verboten.» Ohne Schnupf demonstriert Sandro, wie die Maschine funktioniert. Die Nasenlöcher werden oberhalb der beiden Löcher im Holz platziert. «Die Nase darf das Holz nicht berühren, sonst gibt es einen Fitz», sagt er. Sein anschliessendes Lachen lässt vermuten, dass schon manch eine Nase vom Holz getroffen worden ist. Sandro imitiert mit dem Löffelchen, wie die Löcher auf dem Holz mit Schnupf gefüllt werden.

Die Nase sollte die Holzplatte nicht ganz berühren.

© Lara Abderhalden

«Jetzt den Zeigefinger hierhin», Sandro deutet auf ein abgerundetes Stück Holz, das wie eine Pumpe aussieht und den Hammer in Schach hält. Wird das Holzstück gelöst, knallt der Hammer auf die Platte und katapultiert den Schnupf in die Nase. «Anschliessend kann man sich die Nase mit dem rotierenden Pinsel putzen», sagt der Zimmermann-Lehrling und streichelt mit dem weiss-schwarzen Pinsel seine Nase.

Redaktorin Lara Abderhalden probiert die Maschine aus: 

Dass Sandro Moser tut, wovor andere Respekt haben, beweist eine Aktion an der letztjährigen Olma. Damals liess sich der Zimmermann von einem Arbeitsgspänli einen Ohrring stechen – mit Hammer und Nagel. 

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Quelle: FM1Today

«Mein Vater stellte die Schnupfmaschine an einer Messe aus»

Dieses Mal ist er es, der Nägel und Schrauben versenkt – nicht in Ohren, sondern in seinen Schnupfmaschinen. «Die Idee kam mir, als ich eine Schnupfmaschine bei einem Kollegen sah», erzählt Sandro. Er habe gedacht, das sei noch «näbis Glatts», das er selbst auch herstellen könnte. Der Freund hatte die Maschine im Internet bestellt. Aus dem Kopf heraus fertigte er ein erstes Modell an, das sein Vater an der Toggenburger Messe TOM ausstellte.

«Mein Vater bekam sehr viele positive Rückmeldungen und Bestellungen», sagt Sandro. Deshalb habe er angefangen, seine Mittagspausen zu nutzen und mehrere Schnupfmaschinen herzustellen. Jede Schnupfmaschine sei optimiert worden: «Zuerst rotierte der Pinsel nicht recht oder der Spiegel war nicht genügend fixiert – bei jeder Maschine versuchte ich, etwas zu verbessern.» Entstanden seien seine persönlichen, individuellen Schnupfmaschinen. «Im Moment habe ich ungefähr zehn Anfragen.» Unter den Abnehmern sind einige Restaurants, aber auch private Schnupffreunde.

Unterstützung vom Chef

Für eine Schnupfmaschine verlangt Sandro 300 Franken. Schnupfmaschinen, die im Internet bestellt werden können, sind zwar etwas günstiger, aber wie der 17-Jährige sagt, «nicht so schön wie meine». An einer Schnupfmaschine arbeitet Sandro Moser rund drei Monate. Konkurrenz gibt es in diesem Bereich kaum. Der Toggenburger kennt niemanden, der in der Region sonst noch solche Maschinen herstellt.

Unterstützung gibt es nicht nur vom Vater, der übrigens grosse Freude an den Werken seines Sohnes hat, sondern auch von seinem Arbeitgeber Schlegel Holzbau in Wattwil. «Mein Chef unterstützt mich sehr. Seine einzige Bedingung dafür, dass ich am Mittag daran arbeiten darf, war, dass er auch eine Schnupfmaschine bekommt.»

Diese Maschine steht nun im besagten Aufenthaltsraum. Nicht primär zum Schnupfen, sondern auch zum Anschauen und Staunen. Denn das hölzerne Konstrukt mit den feinen Details wie dem Holzlöffelchen in der Schale ist kein Mittel zum Zweck, sondern mehr ein Kunstwerk.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 21. November 2019 09:04
aktualisiert: 22. November 2019 06:20