St.Galler Metzgergasse

Dieser 19-Jährige erfüllt sich den Traum der eigenen Bar

Marija Lepir, 12. August 2022, 08:28 Uhr
An der Metzgergasse 26 in der nördlichen St.Galler Altstadt weht ab nächster Woche ein neuer Wind. Der 19-jährige Sven Sennhauser eröffnet seine eigene Bar. Eine verruchte Kneipe, in der sich vor allem die LGBTQIA+-Community treffen soll.

Quelle: FM1Today/Marija Lepir

Die meisten Lehrabgänger hoffen nach der bestandenen Prüfung im Lehrbetrieb bleiben zu können oder suchen sich einen sicheren Job. Der frisch ausgelernte Koch Sven Sennhauser hingegen wagt den Sprung ins kalte Wasser und macht sich selbstständig – und das mit 19 Jahren. «Die Selbstständigkeit liegt quasi in der Familie. Meine Mutter war lange selbstständig, mein Vater hatte eine eigene Firma und mein Onkel ist selbstständig. Auch meine Grosseltern hatten lange ein eigenes Geschäft.» Bei ihm selbst kam der Wunsch nach der Selbstständigkeit während der Lehre auf.

Dass sein Wunsch so schnell in Erfüllung gehen würde, damit hätte er aber nicht gerechnet. «Ich habe online gesehen, dass dieses Lokal zu vermieten ist und habe mich auf gut Glück einfach mal gemeldet. Erstaunlicherweise hatte ich zwei Wochen später die Zusage.» Die Bar «St.Gallen Libre» war geboren.

Das Logo des «St.Gallen Libre» an der Metzgergasse 26.

© zVg

Viel Geld ansparen konnte er während der Lehre nicht. Den Traum von der eigenen Bar erfüllt er sich mit Geld, das er von seinen verstorbenen Grosseltern geerbt hat. «Ich finde es einen schönen Gedanken, dass ich mit ihrem Geld, das sie sich auch hart erarbeitet haben, meine Zukunft sichern kann.»

«Safe space» ohne striktes Konzept

Eine genaue Vorstellung von seiner Bar hat der 19-Jährige nicht. Schaut man den jungen Mann mit Flammen-Hosen und rot gefärbten Haaren aber an, ist klar: hier entsteht keine 08/15-Cocktailbar. «Ich biete den Leuten Freiraum um sich ausleben zu können. Sie können machen, was sie wollen, solange sie anständig bleiben.» Jeder ist willkommen, der offen für Neues ist.

Besonders für die queere Community, der Sven als schwuler Mann ebenfalls angehört, soll die Bar ein «safe space» sein. Damit ist das «St.Gallen Libre» zwar nicht die erste Gay Bar in der Stadt, aber wahrscheinlich die erste, die sich «verruchte Kneipe» nennt. Auch die Getränke sollen eher bodenständig sein, ausgefallene Cocktail-Kreationen wird es nicht geben. «Es soll einfach ein gemütlich Ort zum Zusammenkommen sein.»

Aktuell ist Sven Sennhauser noch mit Umbauarbeiten beschäftigt. Das Ziel: eine «verruchte Kneipe», in der jede Person willkommen ist.

© FM1Today/Marija Lepir

«Eine Leidenschaft, die man verfolgt»

Mit einer eigenen Bar lädt sich Sven Sennhauser eine grosse Verantwortung auf, zumal er grösstenteils alles alleine stemmt. Aktuell die Renovationsarbeiten und später dann die Administration. Für den laufenden Betrieb kann er auf die Unterstützung seiner Freunde zählen.

Ist er mit seinen 19 Jahren bereit für diese Last? Ja, sagt der St.Galler. «Ich habe mich schon darauf eingestellt, dass mindestens die nächsten zwei Jahre sehr streng werden.» Bei seinen Freunden habe er sich bereits dafür entschuldigt, dass er künftig nicht mehr so viel Zeit mit ihnen verbringen könne.

Dass die Gastronomie ein hartes Pflaster ist, ist dem gelernten Koch bewusst. Aber er findet: «Gastronomen und Gastronominnen sprechen oft von den negativen Seiten wie beispielsweise den Arbeitszeiten. Aber mir macht es einfach Spass, es ist eine Leidenschaft, die man verfolgt.»

«Learning by doing» ist das Motto des 19-Jährigen. Viel Zeit um zu lernen bleibt ihm aber nicht mehr. Denn das «St.Gallen Libre» feiert am 19. August Eröffnung.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 11. August 2022 13:11
aktualisiert: 12. August 2022 08:28
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